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Couchsurfing in Japan: Übernachten mit Hindernissen

Um Kosten für Hotels oder Hostels zu sparen und tiefer in die Kultur einzutauchen, ist Couchsurfing eine tolle Möglichkeit.

Bevor wir unsere Rundreise mit dem Zug durch Japan begannen, hatten wir mit unserem damals 1-jährigen Sohn schon einige positive Erfahrungen mit Warmshowers gemacht – eine Plattform, die wie Couchsurfing funktioniert, aber ausschließlich für Radreisende gedacht ist. Wir hatten also keine Bedenken, dass Couchsurfing in Japan mit Kleinkind problematisch werden könnte.

Zuhause in Deutschland hatten wir uns für unseren Start in Tokyo ein Airbnb-Zimmer für eine Woche gemietet. Da wir nach Tokyo noch keine feste Reiseroute geplant hatten, hatten wir auch noch keine Unterkünfte ausgesucht. Couchsurfing funktioniert ja schließlich auch spontan, dachten wir uns. Ganz so einfach, wie wir uns es dachten, war es dann allerdings nicht. Wir hatten in jeder Stadt verschiedene Couchsurfing Hosts angeschrieben, aber nur wenig Erfolg gehabt.

Insgesamt haben wir mit Couchsurfing in vier verschiedenen Wohnungen in drei Städten übernachtet.

 

Couchsurfing in Japan: Probleme beim Finden eines Couchsurfing Hosts

Vor allem für gaijin – Ausländer – ist es nicht ganz einfach mit Couchsurfing in Japan erfolgreich einen kostenlosen Übernachtungsplatz zu finden.

Japaner laden generell eher ungern andere Menschen zu sich nach Hause ein, wie unser zweiter Couchsurfing Host in Yokohama berichtete. Außerdem sind viele Wohnung schlicht zu klein um weitere Personen aufzunehmen. Wenn man als Familie reist so wie wir, ist vor allem in den beengten Städten schwer, einen Couchsurfer zu finden, der mehr als eine Person aufnehmen kann.

Ein weiteres Problem ist, dass viele Japaner nur schlecht englisch sprechen können oder sich eine Kommunikation auf englisch nicht zutrauen. Die meisten Profile auf der Couchsurfing-Seite sind ausschließlich in japanisch gehalten, so dass Ausländer ohne japanische Sprachkenntnisse keine Chance haben, die entsprechenden Hosts überhaupt vernünftig anzuschreiben.

Für männliche Reisende ist die Suche nach einer Couch anscheinend noch schwerer, da es in Japan verpönt sei, wenn eine Frau einen Mann zu sich nach Hause einlädt. Ob das wirklich so ist, weiß ich nicht.

 

Couchsurfing in Japan: Unsere Erfahrungen

Couchsurfing in Japan: Nagoya

Noch in Tokyo suchten wir nach Couchsurfern in Nagoya. Und wurden auch schnell fündig. In Nagoya trafen wir uns in mit dem Couchsurfing Host an der Bahnstation in der Innenstadt. Er führte uns direkt zu – einem Hostel. So hatten wir uns das nicht vorgestellt, zumal wir zu dem Zeitpunkt nicht an Geld kamen. Da der Couchsurfing Host darauf bestand, dass wir in das Hostel gehen, checkten wir also mangels Alternativen ein und blieben zwei Nächte dort.

Während unseres kurzen Aufenthaltes im Hostel suchten wir uns einen neuen Couchsurfer und hofften, diesmal mehr Glück zu haben. Zwei Tage später wurden wir von einem Engländer, der in Japan Englischunterricht gibt, abgeholt. Er führte uns zu seiner kleinen Wohnung, in der er gemeinsam mit seiner Frau wohnt. Die Frau ist Japanerin und arbeitet im International Office der Universität, wo sie Auslandsstudenten bei der Orientierung an der Uni und in Nagoya hilft.

Wir schliefen zwei Nächte zu dritt im Wohnzimmer auf einer ausklappbaren Couch. Tagsüber zeigte uns unser Couchsurfing Host neue Ecken der Stadt, abends bereitete seine Frau typisch japanisches Essen für uns vor.  Es waren zwei tolle Tage, in denen wir viel von der Stadt gesehen und einiges über Japan gelernt haben – sowohl aus Sicht einer Japanerin als auch aus Sicht eines gaijin, der schon mehrere Jahre in Japan lebt.

 

Couchsurfing in Japan: Fukuoka

Auch in Fukuoka übernachteten wir bei einem Couchsurfer. Wir landeten bei einem jungen Peruaner, der in Fukuoka studiert.

In seinem Profil war angegeben, dass er Platz für vier Personen hätte. Perfekt also für unsere kleine Familie, dachten wir uns. Ich weiß nicht, wie er tatsächlich vier Personen hätte aufnehmen wollen. Seine Wohnung bestand nur aus einem engen Flur mit integrierter Küche und einem kleinen Zimmer. Wir breiteten zwei Futons auf dem Boden aus und der Raum war voll. Unser Couchsurfing Host selbst übernachtete in den vier Nächten, die wir bei ihm waren, bei seiner Freundin und überließ uns seine Wohnung.

 

Couchsurfing in Japan: zweimal Yokohama

Unser Aufenthalt in Yokohama war etwas verwirrt. Da wir niemanden gefunden hatten, der uns die vollen fünf Nächte aufnehmen konnte, schliefen wir in insgesamt drei verschiedenen Unterkünften. Zuerst übernachteten wir zwei Tage bei einem japanischen Couchsurfer, danach eine Nacht bei einem Couchsurfer aus Bangladesh. Im Anschluss verbrachten wir die letzten drei Nächte in einem Hostel.

Der erste Couchsurfing Host war ein Student, etwas jünger als wir. Er berichtete uns, dass er bereits ein Jahr in Italien studiert hatte und daher viel Kontakt mit Europäern hat. Nachdem er zurück nach Japan gekommen war, hinterfragte er einige der japanischen Verhaltensregeln und erzählte, wie viel lockerer das Leben in Italien gewesen sei. Er freute sich, dass sich viele junge Japaner nicht mehr an die strengen Regeln halten würden und es z. B. immer mehr junge Pärchen gibt, die in der Öffentlichkeit Händchen halten.

Der zweite Couchsurfing Host in Yokohama war ein Bengali, der seit ein paar Jahren in Yokohama arbeitet. Er erzählte uns, dass seit zwei Jahren regelmäßig seine Arbeitskollegen und Freunde zum Kartenspielen und Essen zu ihm zu Besuch kommen, meist einmal in der Woche. Er selbst aber noch nicht ein einziges Mal bei einem der anderen zuhause war.

 

Couchsurfing in Japan: Unser Fazit

Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten haben wir doch vier sehr nette Begegnungen über Couchsurfing gehabt. Interessant finde ich, dass drei unserer fünf Hosts keine Japaner waren, sondern in Japan lebende Ausländer. Die beiden Japaner, bei denen wir zu Gast waren, waren Fremden gegenüber äußerst aufgeschlossen und hatten starke Bindungen nach Europa. ‚Typische‘ Japaner haben wir also durch Couchsurfing nicht kennengelernt. So waren auch alle vier Wohnungen, in denen wir über Couchsurfing geschlafen haben, nicht japanisch eingerichtet, sondern im westlichen Stil gehalten (das Titelfoto ist aus unserem Airbnb-Zimmer in Tokyo; ich habe leider in sämtlichen anderen Unterkünften vergessen Fotos zu machen).

Trotzdem ist Couchsurfing auch in Japan eine tolle Möglichkeit tiefer in das Land einzutauchen. Wir konnten in Gesprächen Einiges über Japan und Japaner erfahren. Spannend fanden wir nicht nur die Sicht der Japaner, sondern auch die der in Japan lebenden Ausländer zu den Traditionen und Wertevorstellungen Japans. Besonders beeindruckt hat mich der Student aus Yokohama, der nach seinem Auslandsaufenthalt in Italien Vieles in der  japanischen Kultur kritisch hinterfragt hat.

 

Couchsurfing in Japan: Gut zu wissen

  • In Japan werdet ihr in der Regel von eurem Host am Bahnhof oder an einer Bahnstation abgeholt. Das liegt daran, dass die japanischen Häuser oft keine durchgehende Nummerierung haben und sogar teilweise die Straßen keine einheitliche Benennung besitzen. Selbst wenn, ist es für Besucher doch sehr schwer, sich nur anhand der Schriftzeichen zu orientieren. Japaner selbst orientieren sich eher an Wegbeschreibungen oder Straßenkarten als an Straßennamen und Hausnummern, daher kann die Suche nach einem bestimmten Haus ohne Wegbeschreibung schnell zu einer Irrfahrt werden.

 

  • Japanische Gastgeber erwarten ein kleines Gastgeschenk, sobald ihr bei ihnen zu Besuch seid. Beliebt ist alles, was ‚kawaii‘ ist. Süß und kitschig geht in Japan immer. Besonders gern gesehen sind typische Süßigkeiten und Mitbringsel aus der Gegend, aus der ihr kommt. Wenn ihr schon vor eurer Abreise wisst, dass ihr Couchsurfing in Japan nutzen wollt, könnt ihr z. B. gut ein paar Lebkuchenherzen einpacken. Sie sind leicht, nehmen nicht viel Platz weg und sind ein ideales Gastgeschenk. Falls ihr nichts dabei habt, tut es auch eine Kleinigkeit vom jeweiligen Bahnhof der Stadt – viele japanische Bahnhöfe gleichen eher Süßigkeitenläden und Weinhandlungen.

 

  • Schuhe aus! Die wohl wichtigste Regel in einem japanischen Haus ist es, gleich im Eingangsbereich die Schuhe auszuziehen.

Couchsurfing in Japan mit Kleinkind: Es ist nicht immer einfach, über Couchsurfing eine Unterkunft in Japan zu finden, aber es lohnt sich!

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Was hältst du von Couchsurfing? Warst du schon einmal Couchsurfing in Japan genutzt? Oder warst du mit Kindern couchsurfen? Wie sind deine Erfahrungen? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Christin

 

 

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