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Der Sound des Reisens – musikalische Erinnerungen an meine Reisen

In meinem Kopf dudelt eigentlich die ganze Zeit über irgendeine Melodie vor sich hin.

 

Meistens sind es Stücke, die wir gerade im Chor proben, die ich unbewusst vor mich her singe. Oft passiert es aber auch, dass ich an eine bestimmte Person, ein Erlebnis oder einen Ort denke und passend dazu das richtige Lied aufploppt, das ich genau damit verbinde.

 

Genau nach solchen Songs hat nun Marc gefragt. In seiner Blogparade „Musikalische Erinnerungen – der Sound des Reisens“ möchte er wissen, welche Lieder wir mit unseren Reisen verbinden.

 

Hier sind sie also, jene Songs, bei denen ich mich in meine Reisen zurückträume:

 

2003 – Southhampton, England

 

Zu Beginn der 9. Klasse organisierte meine Schule jedes Jahr eine Fahrt nach England.

 

Zuerst ging es für zwei Tage nach London, wo wir in Kleingruppen, die von jeweils einem Oberstufenschüler betreut wurden, die Stadt erkunden durften. Eine Freundin und ich schafften es natürlich, unseren Oberstufenschüler in der Subway zu verlieren … Wir haben es trotzdem unbeschadet wieder zurück zu unserem Hostel geschafft, was den Ärger vom Lehrer trotzdem nicht vermindert hat.

 

Die nächste Station der Englandfahrt war ein YMCA-Camp in Southhampton, wo wir noch fünf Tage verbrachten. Heute finde ich es sehr erstaunlich, dass die Englandfahrt der Schule dorthin ging. Denn immerhin ging es dort nicht um bloße Wissensvermittlung, sondern tatsächlich um persönliche Weiterentwicklung und Spaß – zwei wichtige Dinge, die in der Schule leider oft zu kurz kommen.

 

Für mich war es jedenfalls ein großes Abenteuer-Camp, denn wir erhielten Aufgaben, für die ich tatsächlich etwas Mut aufbringen musste. An einem Tag bauten wir ein Floß und fuhren damit auf dem Fluss, an einem anderen Tag ging es an die Kletterwand und auch ein Sprung von einer Plattform in einer Baumkrone, gesichert durch ein Seil, war einer meiner Höhepunkte. Alles Sachen, die ich vorher noch nie gemacht hatte.

 

Am allerletzten Abend gab es eine Abschiedsfeier in einem großen Zelt auf der Wiese. Und klar, welches Lied auf und ab gespielt wurde – immerhin befanden wir uns ja in einem YMCA-Camp:

 

YMCA – Village People (1974)

2004 – Balatonfüred, Ungarn

 

Ein Jahr später war ich mit meinen Eltern am Balaton, genauer gesagt in einem kleinen Ort namens Balatonfüred. Nicht auf der Partyseite des Balaton, dafür aber auf der Schöneren (angeblich…).

 

Es war ein richtiger Erholungsurlaub, wie ich ihn mit meiner Familie heutzutage nicht so machen würde. Wir waren in einer riesigen Hotelanlage, etwas außerhalb des kleinen Ortes, dafür direkt am Plattensee. Das Hotel hatte sogar einen eigenen Strandabschnitt am See. Albern.

 

Jeden Morgen erschien ich pünktlich um 09:57 Uhr zum Frühstücksbuffet, das bis 10:00 Uhr geöffnet hatte. Schließlich ist man mit 15 viel zu cool, um mit den eigenen Eltern zu frühstücken, die vermutlich schon irgendwann früher dort waren.

 

Vielleicht hatte das Hotelrestaurant jeden Tag die gleiche CD an, oder sie hatte nur einen einheitlichen Rausschmeißer-Song, jedenfalls lief jeden Morgen, wenn ich frühstückte, das gleiche Lied (übrigens ist Dirty Dancing einer der langweiligsten Filme, die ich jemals gesehen habe):

 

Hungry Eyes – Eric Carmen (1987)

2010 – Bali, Indonesien

 

2010 verbrachte ich meine Semesterferien auf Bali bei einem Wiederaufforstungsprojekt. Insgesamt waren wir zehn Deutsche, die gemeinsam außerhalb der Touristen-Hotspots der Insel Setzlinge in einem Waldstück pflanzten.

 

Die letzte gemeinsame Woche auf Bali war allerdings keine Projektzeit mehr, sondern tatsächlicher Urlaub. Wir mieteten also zwei Wagen und erkundeten die Insel auf eigene Faust.

 

Während den Fahrten im Auto hörten wir immer balinesisches Autoradio. Wer hätte das gedacht – auf einmal tauchte zwischen der größtenteils traditionellen Musik im Radio auf einmal dieser Song auf. Ich hatte ihn vorher noch nie gehört und war sehr überrascht, das neue Lied einer Künstlerin, die aus der gleichen Stadt kommt wie ich, zum ersten Mal am anderen Ende der Welt zu hören …

 

Touch A New Day – Lena Meyer-Landrut (2010)

Aber der wahre Sound Balis ist der Gamelan, den man überall auf der ganzen Insel hört.

 

Während unseres Wiederaufforstungsprojektes besuchten wir auch für einige Tage ein Waisenheim (heute weiß ich, dass so ein Kurzzeitbesuch mehr Schaden anrichtet, als dass er hilft – leider war mir das damals noch nicht klar). Dort haben uns die Kinder einige Stücke des Gamelan auf den traditionellen Instrumenten beigebracht – und das, obwohl Gamelan eigentlich nur von Jungen und Männern gespielt werden darf. Die Jungen im Waisenheim bekommen Gamelan-Unterricht, während den Mädchen der Legong beigebracht wird, ein Tanz zu der Gamelan-Musik.

 

Gamelan und Legong

 

2015 – Japan

 

Zugegeben, die Melodie, die mich eigentlich an Japan erinnert, finde ich einfach nicht auf Youtube – denn es ist einfach nur eine Melodie ohne Text.

 

Als erstes hörten wir sie in Kagoshima in einem Shoppingcenter, sie kam aus einem Musikautomaten, der nur diese eine Melodie spielte, in einer unendlichen Dauerschleife. Der Automat stand direkt neben den Kassen eines Supermarktes. Ich fragte mich damals ernsthaft, wie die Kassierer das ständige, sich wiederholende Gedudel aushielten. Das zweite Mal hörten wir die gleiche Melodie in Yokohama, wo der gleiche Musikdudelautomat an einem Getränkeautomaten angebracht war. Ich hatte kurz vorher dieses Blog gelauncht und und sang fröhlich ein „oh Tiny Traveler, oh Tiny Traveler, Tiny Traveler, Traveler, lalalala …“ in die Melodie hinein und seitdem habe ich eine inoffizielle Titelnhymne.

 

Aber auch sonst begegneten wir in Japan allerlei Dudelei.

 

Am schlimmsten war es im Tokyoter Stadtteil Shibuya. Dort kommt aus den Lautsprechern an der Straße japanische Popmusik, während aus jeden einzelnen Laden weitere Songs spielen. Es gibt riesige Leinwände an den Hochhäusern, auf denen ebenfalls Musikvideos gezeigt werden, und gelegentlich fahren sogar Musikleinwand-Lastwagen auf den Straßen ein einem vorbei.

 

Ich kann mich leider nicht mehr genau an einen der vielen, vielen Songs erinnern, Aber dieser Mix aus japanischen Popsongs gibt ganz gut die akustischen Eindrücke wider, wie es sich anhört, durch die Fußgängerzone von Shibuya zu laufen:

 

J-Pop Mix

 

2015 – Berlin

Joe macht es uns allen vor: Ja, man kann seine Leidenschaften zum Beruf machen und davon leben. Er hat seine Hobbies Klavierspielen und Reisen verbunden und reist seitdem mit einem mobilen Klavier durch Deutschland und Europa. Ich habe ihn dieses Jahr mehrere Male in Berlin gesehen, wo er im Rahmen der DNX gespielt hat. Es ist eine traumhafte Musik um bei Sonnenschein im Park zu liegen und entspannt seinen Klavierklängen zu lauschen.

 

Follow The Sun – Joe Löhrmann

 

Bonus 1: mein Fernweh-Song

 

Wann immer mich das Fernweh packt, und das ist ziemlich oft, denke ich an diesen Song. Ja, ich möchte auch einmal so viel von der Welt gesehen haben, wie hier besungen:

 

Far Far Away – Slade (1974)

 

Bonus 2: mein Heimweh-Song

 

Na gut, Heimweh habe ich eigentlich doch sehr selten. Eher Heimweh nach meiner Familie, wenn ich alleine unterwegs bin, als Heimweh nach dem Heim an sich. Auch hier wird es sehr treffend besungen:

 

„Home – Let me come home – Home is wherever I’m with you“

Home – Yes, I am home – Home is when I’m alone with you“

 

Schmaaach.

 

Home – Edward Shape & The Magnetic Zeros (2009)

 

Fazit

 

Nun habe ich festgestellt, dass ich viel mehr musikalische Reiseerinnerungen an schon längst vergangene, kinderlose Reisen habe. Obwohl ich seit ein paar Jahren viel mehr unterwegs bin und auf Reisen mit großer Sicherheit wohl auch immer wieder musikalische Eindrücke gewinnen konnte.

 

Das zeigt mir, dass ich in Zukunft etwas besser auf meine Umgebung achten sollte, nicht nur optisch, sondern mit allen Sinnen. Einfach mal einen Gang zurückschalten, obwohl – oder gerade weil – ich ja nun mit Kindern unterwegs bin. Denn ich will ihnen ja die Welt mit all ihren Facetten zeigen.

 

Danke an Marc für diese schöne Blogparade! Du hast mir wieder gezeigt, wie wichtig mir Musik ist, und dass sie bei mir leider in letzter Zeit nach der Geburt unserer Tochter zu kurz gekommen ist. Und dass ich manchmal nach langem Geschrei einfach einen guten Song brauche, um wieder runterzukommen 😉

 

Welche musikalischen Erinnerungen hast du an deine Reisen? Lass es mich in einem Kommentar wissen. 

 

Christin

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