Mein Sohn als Reisender oder: Kann ein Kleinkind überhaupt Urlaub machen?

Habt ihr euch schon einmal folgende Frage gestellt?

 

Mache ich Urlaub oder bin ich ein Reisender?

 

Ich selbst habe mir dies im Rahmen der Blogparade „Urlaub machen und Reisen – ein Unterschied?“ von Francis auf my-road.de überlegt und bin der Frage einmal genauer auf den Grund gegangen.

 

Urlaub oder Reise? (M)eine Definition

Definitionen der beiden Begriffe Reise und Urlaub gibt es wohl wie Sand am Meer und jeder von uns hat eine ganz eigene Sichtweise auf die Definition.

 

Als ich meinen Freund fragte, worin er den Unterschied zwischen einer Reise und einem Urlaub sieht, sagte er, ein Urlaub findet nur an einem einzigen Ort statt. Während einer Reise hingegen besucht man mehrere, verschiedene Orte.

 

Das mag an sich vielleicht stimmen, mir persönlich geht diese Antwort aber noch nicht tief genug.

 

Urlaub

 

Für mich persönlich ist „Urlaub“ vor allem Entspannung und Erholung aus dem Alltag. Während eines Urlaubs lasse ich nicht nur meinen Alltagstrott, sondern auch meine Aufgaben und Pflichten zu Hause. So kann ich während des Urlaubs die Seele baumeln lassen, einmal durchatmen und neue Energie tanken.

 

Ein Urlaub muss nicht zwangsläufig an einem Mittelmeerstrand stattfinden. Je nach persönlichen Vorlieben können sich verschiedene Menschen entweder am besten am Strand, in den Bergen oder auch inmitten einer belebten Großstadt entspannen.

 

Bei den meisten Leuten dauert ein Urlaub nicht länger als zwei, höchstens drei Wochen.  Nach dieser Zeit hat der Urlaub seinen Zweck erfüllt: Ich bin erholt und kann mit frischer Energie wieder in meinen altbewährten Alltag starten oder auch neue Projekte auf der Arbeit oder im Privatleben starten.

 

Reise

 

Eine Reise hingegen ist mit dem klassischen Urlaub eigentlich kaum vergleichbar. Eine Reise kann den Reisenden durchaus beanspruchen – körperlich wie auch psychisch.

 

Denn auf einer Reise geht es vor allem um das Erleben und darum, neue Erfahrungen zu machen.

 

Dazu gehört für mich z. B. das Eintauchen in fremde Kulturen. Als Reisende möchte ich das Land kennenlernen, möchte durch die Wälder streifen und auf Berge wandern. Und ich suche den Kontakt zu den Einheimischen.

 

Während einer Reise zählen neue Perspektiven auf das Reiseland und der Blick vom Tellerrand. Ich lerne nicht nur Vieles über fremde Kulturen, sonder auch über Toleranz und Vielfalt.

 

Eine Reise ist einfach viel intensiver als ein Urlaub. Das macht den Urlaub nicht schlechter, aber eben anders.

 

Nicht umsonst gibt es beispielsweise die Begriffe der Weltreise oder der Zeitreise. In beiden Szenarien wird der Reisende mit fremden Kulturen und neuen Erfahrungen nur so überschüttet.

 

Oder doch etwas dazwischen?

 

In vielen Fällen gibt es aber wahrscheinlich wie so oft keine klare Lösung auf die Frage.

 

So war unsere Reise nach Japan z. B. eindeutig eine Reise.

 

Bei unserem Trip nach Athen dagegen ist es schon schwerer zu sagen. Immerhin waren wir nur eine Woche dort, und wir waren nur in Athen. Mein Freund würde nun sagen, es war ein Urlaub.

 

Allerdings haben wir dort auch viele nette Gespräche mit den Griechen vor Ort geführt, wir haben griechisches Essen probiert, die griechische Schrift gelernt und uns mit der antiken griechischen Kultur auseinandergesetzt.

 

Die Grenzen sind hier nicht ganz eindeutig. Wahrscheinlich war es eine Urlaubsreise, da wir Vieles erlebt und erfahren haben, uns aber auch tendenziell mehr entspannt haben als zu Hause.

 

Kann ich mit Kleinkind überhaupt noch Urlaub machen?

Soweit zumindest die Theorie.

 

Nun stellt sich mir in der Praxis allerdings die Frage: Kann ich mit meinem Sohn überhaupt noch Urlaub machen?

 

Die Frage ist natürlich nicht so gemeint, ob ich mit meinem Kleinkind im Gepäck überhaupt noch unterwegs sein kann. Das kann ich, sonst würde es ja diesen Blog auch gar nicht geben.

 

Ich meine eher: Kann ein Ausflug mit Kind überhaupt noch den Kriterien eines Urlaubs entsprechen?

 

Denn wie schon gesagt, der wichtigste Aspekt beim Urlaub ist die Erholung, das Abschalten vom Alltag.

 

Wer mit Kind verreist, kann seine Aufgaben und Pflichten nicht einfach zu Hause lassen. Die haben Eltern immer ein Stück weit dabei.

 

Denn selbst wenn das Kind vergnügt am Strand Sandburgen baut, habe ich nie so richtig frei. Ich muss immer zumindest ein Auge darauf haben, dass es nicht einfach ins Wasser rennt, andere Kinder mit Sand bewirft oder sonstigen Unfug anstellt. Ich habe also gewissermaßen meinen Alltag immer um mich herum.

 

Die Welt ist ein Spielplatz!

Die Welt ist ein Spielplatz!

 

Das heißt natürlich nicht, dass ich die gemeinsame Zeit unterwegs mit meinem Kind nur angespannt und gestresst bin.

 

Natürlich ist es entspannter, ohne Zeitdruck und Terminstress mit dem Kind spielen zu können, als wenn ich zu Hause nach dem Spielplatz noch schnell etwas erledigen muss. Aber so richtig zur Erholung komme ich trotzdem nicht, wenn mein Kind dabei ist.

 

Mit einem Kleinkind unterwegs zu sein, bringt allerdings auch eine Menge Vorteile mit sich.

 

Ihr werdet automatisch von Einheimischen angesprochen, euer Kind sucht sich neue Spielkameraden, auch wenn es sich nicht mit ihnen verständigen kann.

 

Mit einem Kind könnt ihr viel schneller, tiefer und intensiver in ein neues Land eintauchen als ihr vielleicht denkt. Es ist fast unmöglich, auf einer Reise mit Kleinkind nicht zumindest ein kleines Stück der fremdländischen Kultur mitzubekommen.

 

Mein Mini-Urlaub

Um dennoch ein wenig Entspannung und Erholung von dem teilweise doch recht stressigen Alltag mit einem Kleinkind zu bekommen, nehme ich mir regelmäßig kleine Mini-Urlaube.

 

Der Trick: Einmal im Monat darf Moritz für ein Wochenende bei den Großeltern übernachten. Wir nennen es für ihn Großelternurlaub. Die Wahrheit ist allerdings, dass dieses Wochenende für uns vor allem ein Urlaub von dem Kind ist und damit auch von den alltäglichen Aufgaben und Verpflichtungen rund um Moritz.

 

Denn ich habe nach der Geburt festgestellt, dass ich hin und wieder einfach Zeit für mich alleine brauche (eine der vielen neuen Erkenntnisse über mich selbst seit meiner Mutterschaft).

 

Und während Moritz in seinem wohlverdienten Großelternurlaub ist, fühlt sich das Leben für mich und meinen Freund tatsächlich ein Stück weit an wie Urlaub. Wir haben unbegrenzte Zeit für uns, wir probieren abends neue Restaurants in der Stadt aus oder liegen einfach entspannt im Park, ohne dass jemand neben uns Dreck in seinen Mund schiebt.

 

Wir haben eine kurze Pause von unserem Alltag und können mit neuer Energie das Kind wieder entgegennehmen.

 

Das Kleinkind auf einer ewigen Reise

Ihr merkt also: Ein Kleinkind kennt keinen Urlaub. Es ist immer auf Draht.

 

Es möchte die Welt erkunden, es lernt jeden Tag neue Dinge dazu.

 

Gewissermaßen ist ein Kleinkind immer ein Reisender, sogar im eigenen Land. Denn es muss unsere für ihn fremde und vielleicht nicht immer verständliche Kultur auch erst mühsam erlernen und lernt Stück für Stück unsere Sprache.

 

Und wenn ich meinem Sohn sage, er soll nicht mit den Händen, sondern mit der Gabel essen, macht das für ihn vielleicht wenig Sinn. Denn mit der Gabel ist das Essen viel schwieriger und mühseliger.

 

Genauso, wie es für mich in Japan wenig Sinn gemacht hat, nicht mit der Gabel, sondern mit den Stäbchen zu essen. Denn mit den Stäbchen ist das Essen viel schwieriger und mühseliger. Aber in diesen Momenten sind mein Sohn und ich gleichermaßen Reisende und Lernende in einer fremden Kultur.

 

Vielleicht fühle ich mich deswegen auf Reisen meinem Sohn auch näher. Ich kann einfach besser nachvollziehen, wie er sich wohl in bestimmten Situationen fühlen mag und kann seine Reaktionen besser verstehen.

 

Das Kleinkind ist also auf einer ewigen Reise – zu seiner eigenen Kultur, und damit auch zu seiner eigenen Identität.

 

Und was ist mit uns Eltern?

Ich habe lange Zeit behauptet, die Geburt meines Sohnes hätte mich nicht verändert. Ich hätte wohl kaum falscher liegen können.

 

Denn durch meinen Sohn habe ich nun auch eine völlig neue, mir bis dahin fremde Identität – Mutter. Ich habe ungeahnte Gefühle entwickelt, positive wie auch negative. Ich habe mir mehr Gedanken über mich selbst und die Welt gemacht als jemals zuvor.

 

Ich weiß mittlerweile, dass ich noch immer auf einer Reise zu mir selbst bin – und ein Ziel ist wahrscheinlich noch lange nicht in Sicht. Das ganze Leben ist eine lange Reise, und mit Kind kann sie nur spannender werden!

 

Mein Sohn hat mich eindeutig verändert, so wie es auch eine lange Reise tut.

 

Bist du ein Urlauber oder ein Reisender? Wie schaffst du dir einen kleinen Urlaub vom Alltag? Und auf welche Reise hat dich dein Kind geschickt? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

Christin

 

Christin

Christin

Mutter // Studentin // Vegetarierin // Reisende // Chaotin
Christin

3 Anmerkungen zu “Mein Sohn als Reisender oder: Kann ein Kleinkind überhaupt Urlaub machen?

  1. Pingback: Warum es keine Unterscheidungen von Touristen braucht

  2. Francis

    Hi Christin,
    da hast du eine interessante Analogie zwischen der Kindheit und dem Reisen herausgearbeitet! Finde dein Beitrag zu unserer Blogparade spannend zu lesen. Danke dir dafür!
    Liebe Grüße,
    Francis

    Antworten
  3. Pingback: Blogparade: Urlaub machen und Reisen – Ein Unterschied?

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