Mit Kindern Zug zu fahren ist schon längst nicht mehr spektakulär für uns. Da wir kein Auto besitzen, wird jede Fahrt zu den Omas mit dem Zug zurückgelegt. Je nachdem, zu welcher Oma wir fahren, nehmen wir entweder den Regionalexpress oder den IC oder ICE.

Eines hatten wir bisher aber noch nie mitgemacht: Eine Fahrt im Schlafwagen.

Ich erinnere ich noch, wie mir eine Arbeitskollegin vorschwärmte, sie würde immer mit dem Nachtzug in einem Schlafabteil nach Italien fahren. Super sei das. Abends in den Zug steigen, sich bequem schlafen legen, morgens sei man frisch und ausgeschlafen am Ziel.

Meine Neugier war also geweckt. Vor allem den Aspekt, dass so quasi keine unnötige Zeit für die An- oder Abreise vergeudet wird, gefiel mir sehr. Schlafen muss ich ja eh, wieso dann eigentlich nicht gleich im fahrenden Zug?! Sehr praktisch.

Für den Trip mit meiner Tochter nach Wien buchte ich zunächst einen Hinflug. Ich halte generell nicht so viel davon, Kurzstrecken, die auch mit der Bahn zu bewältigen sind, mit dem Flugzeug zu fliegen. Aber wenn ich alleine mit Baby unterwegs bin, möchte ich es mir so einfach wie möglich machen. Ein kurzer Flug klang für mich also verlockender als eine fast den halben Tag dauernde Zugfahrt.

Für den Tag meiner Rückkehr war allerdings der Flughafen in Hannover aufgrund eines Bombenfundes gesperrt. Ich brauchte also eine Ausweichlösung.

Für meine Rückfahrt von Wien nach Hannover buchte ich also in Erinnerung an meine schwärmende Kollegin eine Fahrt im Nachtzug. So müsste ich das Baby keine Stunden im Zug bespaßen, sondern könnte einfach mit ihr schlafen gehen.

Bei der Buchung einer Fahrt im Nachtzug gibt es unterschiedliche Auswahlmöglichkeiten. Es gibt drei verschiedene Wagentypen:

  • Sitzwagen mit Abteil- oder Großraumwagen
  • Liegewagen mit 4er oder 6er Abteil
  • Schlafwagen mit Single, Double oder Dreier Abteil

Ich entschied mich schnell für ein Economy Single Abteil, denn mit Baby möchte ich natürlich meine Ruhe vor anderen Fahrgästen haben. Ohne Baby hätte ich wahrscheinlich eher einen günstigeren Platz im Liegewagen gebucht, der für mich wie ein Schlafsaal im Hostel klingt.

 

Die Fahrt im Schlafwagen

Am Tag unserer Abreise geht es schließlich um 20:39 Uhr in Wien los. Den Hauptbahnhof in Hannover sollten wir knappe 9,5 Stunden später um 6:13 Uhr erreichen. Zum Vergleich: Der normale ICE ist mit einer Fahrzeit von 7,75 Stunden zwar schneller unterwegs, dafür sitzt man fast den ganzen Tag im Zug und einmal umsteigen muss man auch noch zwischendurch.

Unser Schlafabteil ist gerade groß genug, dass der Koffer und ich hineinpassen. Trotzdem hat es alles, was man so braucht. Ein Sofasitz, ein großer Ecktisch mit integriertem Waschbecken und Spiegelschrank, zwei Tische zum Ausklappen vor dem Sofa, zwei kleine Schränke mit einer Schublade an der Wand.

Zunächst bin ich verwirrt. Wo ist denn hier das Bett? Das Sofa lässt sich jedenfalls nicht zum Bett umbauen. Die Lösung: Es ist in der Wand neben dem Sofa verstaut und wird auf das Sofa geklappt. Aha.

Das ganze Abteil erinnert mich mit seiner verschachtelten Inneneinrichtung sehr an das Innenleben eines Wohnmobils. Eine eigene Toilette oder Dusche haben wir allerdings nicht, die gibt es nur in den Deluxe Abteilen.

Der Ecktisch mit integriertem Waschbecken. Auf dem Tisch steckt die Tasche voller kleiner Geschenke.

Der Ecktisch mit integriertem Waschbecken. Auf dem Tisch steckt die Tasche voller kleiner Geschenke. Den Schokopudding gab es als Begrüßung.

 

Das Sofa im Schlafwagen des Nachtzugs vor dem Umklappen zum Bett mit Baby

Das Sofa vor dem Umklappen zum Bett

 

Die Fahrt im Nachtzug ist (zumindest bei uns im Schlafwagen) sehr serviceorientiert. Zur Begrüßung steht eine Tüte mit allerlei Krimskrams im Abteil bereit. Einmalhausschuhe, Ohrstöpsel, eine Flasche Sekt, Waschlappen, … Bis auf eine Flasche Wasser und eine Tüte Brezeln räume ich den ganzen Schnickschack in den Schrank.

Als nächstes kommt der Schaffner. Er überprüft nicht nur mein Ticket, sondern bringt auch gleichzeitig eine kleine Schokonachspeise. Dabei hatte ich doch gar keine richtige Hauptspeise …

Etwas später kommt ein weiterer Schaffner, der uns das Bett umklappt (das darf man nämlich nicht alleine, nein nein!) und meine Bestellung für das Frühstück aufnimmt.

Es ist jetzt 22 Uhr, also zu spät für meine Tochter und zu früh für mich um ins Bett zu gehen. Wir legen uns also gemeinsam hin. Nach den anstrengenden Tagesmärschen in Wien ist es eigentlich ganz gut, mal früher schlafen zu gehen. Außerdem hat der zweite Schaffner ja angekündigt, mich um Viertel vor sechs mit dem Frühstück zu wecken.

Das Bett ist ziemlich klein, definitiv keine 90 x 200 cm. Ich mit meinen 1,65 m stoße mit meinen Füßen schon fast gegen die Wand, wenn ich das Kissen so hinlege, dass ich nicht gerade mit dem Kopf an die andere Wand komme.

Meine Tochter schläft schnell ein, mich stören die grellen Lichter von außen etwas, wenn wir einen Bahnhof passieren. Und ich bin um 22 Uhr einfach noch nicht müde. Später schläft es sich aber ganz gut. Das leichte Ruckeln und Schaukeln gefällt natürlich dem Babyschlaf und mich stört es auch nicht. Erstaunt stelle ich am Morgen fest, dass mein Rücken nur sehr wenig wehtut (normalerweise fühle ich mich morgens vor Rückenschmerzen wie gerädert; vielleicht sollte ich mir für zuhause auch eine Matratze aus Stein zulegen …).

Das ausgeklappte Bett ...

Das ausgeklappte Bett …

 

... ist nicht sonderlich groß.

… ist nicht sonderlich groß.

Wie angedroht werde ich um 5:45 mit dem Frühstück geweckt, das ich mir gestern Abend ausgesucht habe. Eine halbe Stunde bleibt noch bis zur Ankunft in Hannover. Ich nutze die Zeit lieber erstmal zum Umziehen aller Beteiligten und das Zusammenpacken der Sachen. Das ist auch gut so, denn für das Frühstück habe ich danach tatsächlich gar keine Zeit mehr. Macht auch nichts, ich bin eh kein Frühstücker und ich hatte die Komponenten für das Frühstück sowieso so gewählt, dass ich möglichst viel für zuhause einpacken kann.

Das Frühstücksmenü

Das Frühstücksmenü

 

Fazit

Insgesamt fand ich die Fahrt mit im Schlafabteil sehr angenehm. Die Fahrtzeit konnten wir sinnvoll nutzen und schlafen, während wir uns während einer so langen Fahrt am Tag wahrscheinlich nur unnötig gelangweilt hätten. Positiv überrascht war ich von dem großen Serviceangebot während der Fahrt und auch von der Tatsache, dass ich trotz Baby neben mir erstaunlich gut auf dem harten Bett schlafen konnte.

Blöd ist es zwar, dass außer dem Waschbecken keine Waschmöglichkeiten im Abteil selbst vorhanden sind. Wir sind allerdings direkt nach der Fahrt nach Hause gefahren, wo wir ja alles normal nachholen konnten. Und vor dem Fahrtantritt habe ich noch das Badezimmer im Wiener Bahnhof für alles Nötige genutzt. Das wäre zwar ohne Baby einfacher, ist aber auch mit Baby durchaus machbar.

Das einzige Manko ist (wie immer bei der Bahn) der Preis. Eine Fahrt im Sitzwagen kostet ab 39 €, die Fahrt im Schlafwagen kostet ab 129 €. Dafür spart man sich natürlich Kosten für eine Übernachtung bzw. ich hatte noch einen ganzen Tag länger in Wien Zeit, als wenn ich am gleichen Tag mit einem normalen ICE gefahren wäre (der ja auch nicht viel günstiger ist) und abends in Hannover angekommen wäre.

Ich bin übrigens mit einem Zug der ÖBB gefahren, ob die Wagen und die Serviceleistungen denen der DB entsprechen, kann ich also nicht beurteilen. Trotzdem lassen sich Fahrten mit der ÖBB nach Deutschland problemlos über die Buchungsseite der DB* buchen.

Mit Baby im Schlafwagen: So kommen wir im Nachtzug schlafend ans Ziel.

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Wart ihr auch schon einmal mit dem Nachtzug unterwegs? Wie hat es euch gefallen? Würdet ihr es wieder machen? Ich freue mich auf euren Kommentar!

Christin