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Landesmuseum Hannover aka das „WeltenMuseum“: Eine Reise um die Erde in drei Welten

Fische, der rote Franz und viel Musik – das alles und mehr könnt ihr mit euren Kindern im Landesmuseum Hannover erkunden.

Wie viele andere Kinder in seinem Alter auch ist mein Sohn seit Findet Nemo und Findet Dorie absolut Fische-vernarrt. Daher bin ich Freitag nachmittags mit meinen Kindern häufig im Landesmuseum in Hannover bei den Aquarien anzutreffen. Besonders weit bin ich an so einem Freitag allerdings bisher noch nicht gekommen. Praktischerweise befinden sich die Aquarien gleich neben dem Eingangsbereich, so dass es gar nicht nötig wäre, weiter durch das Museum zu laufen. Bis auf eine kurze Verfolgungsjagd durch den angrenzenden Raum, als meine Tochter ausgebüchst ist, habe ich also mit meinen Kindern noch nichts weiter von dem riesigen Museum mitbekommen. Ich hörte, es gäbe dort auch noch Anderes zu sehen als Fische …

Landesmuseum Hannover: Kinder bestaunen die Fische

Die Kinder suchen Nemo und Dorie

Daher habe ich mich besonders über die E-Mail gefreut, die mich erreichte und eine Einladung zum ersten abendlichen Instawalk mit exklusiver Führung durch das Landesmuseum enthielt. Durch das ganze Landesmuseum, wohlgemerkt!

Das WeltenMuseum

Anders als es der Name „niedersächsisches Landesmuseum“ wohl vermuten lässt, stellt das Museum nicht nur Exponate aus der niedersächsischen Gesichte aus, sondern beherbergt eine bunte Mischung an naturhistorischen, völkerkundlichen und künstlerischen Gegenständen aus der ganzen Welt. Bis vor ein paar Jahren war das Landesmuseum ein wahres Sammelsurium und konnte sich – im Gegensatz zu den meisten anderen großen Museen – keine genaue fachliche Ausrichtung auf die Fahne schreiben.

„Mehrspartenhäuser werden of negativ als „Gemischtwarenläden“ beschrieben, sie hätten keine klare Ausrichtung und seien daher Spezialmuseen unterlegen. Die daraus resultierende Forderung nach Abtrennung der einzelnen Bereiche steht jedoch im Widerspruch zum Humboldtschen Gedanken eines Weltmuseums.“, so hieß es in der Pressemitteilung vor dem Umbau.

Ganz nach dem humboldtschen Gedanken strukturierte das Landesmuseum 2013 also seine Räumlichkeiten um. Seitdem bezeichnet sich das Museum selbst als „WeltenMuseum“ und ist damit in seiner Ausrichtung einmalig.

Das Landesmuseum beherbergt nun fünf Sammlungen in drei verschiedenen Welten:

  1. Die NaturWelten mit der naturkundlichen Sammlung im Erdgeschoss,
  2. die MenschenWelten mit der archäologischen Sammlung und der völkerkundlichen Sammlung im 1. Obergeschoss sowie
  3. die KunstWelten mit der Gemäldesammlung und der Münzsammlung im 2. Obergeschoss.

NaturWelten: Von Fischen, Vögeln und Dinosauriern

Unsere kleine Privatführung durch das Landesmuseum begann bei den Fischen in den WasserWelten– klar, wo auch sonst?! Obwohl ich die Fische in den Aquarien schon einige Male gesehen hatte, war es sehr spannend, einige Hintergrundinformationen zu bekommen. So wusste ich z. B. noch nicht, dass das Landesmuseum ein eingetragener Zoo ist, der mit dem Zoo Hannover kooperiert, und auch eigene Tierpfleger beschäftigt. Was aber eigentlich logisch ist, denn die vielen Fische wollen ja schließlich gefüttert und gepflegt werden.

Bereits hier bei den Fischen macht das Landesmuseum seiner neuen Ausrichtung als WeltenMuseum alle Ehre, denn es beherbergt Fische aus allen Ozeanen. Clownfische und Paletten-Doktorfische, die Favoriten meines Sohnes, leben im australischen Korallenbecken. Vom Amazonasbecken aus starrten uns Piranhas regungslos entgegen, die uns mindestens genauso spannend fanden wie wir sie. Übrigens sind die Piranhas nicht, wie weit verbreitet, gefährliche Killerfische, sondern dienen viel mehr als Hygiene-Polizei im Amazonas. Denn sie fressen hauptsächlich Aas oder jagen kranke Fische.

Landesmuseum Hannover Piranhas

Die Piranhas finden uns ebenso spannend.

 

Auch einige einheimische Fischarten leben im Landesmuseum. Besonders witzig finde ich die verschiedenen Schollenarten, deren Schuppenfärbungen und -muster perfekt an den Untergrund angepasst sind, so dass meist nur die nach oben zeigenden froschartigen Augen sichtbar sind.

Weiter ging es durch die naturkundliche Sammlung in den LandWelten und den Luft- und KüstenWelten.  Im größten Terrarium wuseln mehrere Bartagamen neben dem lebensgroßen Skelett eines Plateosaurus durch den Sand. Die natürliche Mischung aus Leben und Tod findet sich nicht nur in diesem Raum im Museum wider. Ein paar Schritte weiter werden einige ausgestopfte präparierte Tiere und vor allem heimische und exotische Vögel gezeigt. Für drei Vogelarten wird der Weg bis zur Ausrottung durch den Menschen gezeigt.

Muscheln in den WasserWelten im Landesmuseum Hannover

Muscheln in den WasserWelten

 

Landesmuseum Hannover Plateosaurus

Plateosaurus im Bartagamen-Terrarium in den LandWelten

 

Landesmuseum Hannover Robben

Präparierte Robben in den Luft- und KüstenWelten

 

MenschenWelten: Neandertaler, der rote Franz und viel Musik

In der ersten Etage befinden sich die Menschenwelten, die aus der Archäologie und der Völkerkunde bestehen.

In der archäologischen Sammlung können wir die gesamte Menschheitsgeschichte zwischen Neandertaler und modernem Menschen anhnand von Dioramen und vielen Sammlungstücken nachvollziehen.

Landesmuseum Hannover Neandertaler

Neandertaler im Diorama

 

Besonders stolz ist das Landesmuseum allerdings auf seine Moorleiche, die auf den Namen „roter Franz“ getauft wurde. Der Name kommt nicht von ungefähr, denn die Moorleiche ist so gut erhalten, dass sie sogar noch volles Haar am Kopf hat – in knallrot. Sie bilden einen farblichen Kontrast zum sonst schwarzen Körper der Moorleiche. Die Haare sind übrigens nicht von Natur aus rot, sondern wurden während die Konservierung im Moor durch die Mineralien im Boden rot gefärbt. Bis zum Umbau wurde der rote Franz in der Mitte eines Raumes für alle Besucher gut sichtbar auf einem kleinen Podest präsentiert – so habe ich ihn auch noch in Erinnerung, von meinem einmaligen Besuch im Landesmuseum in Zeiten vor Umbaumaßnahmen und Kindern.

Heutzutage liegt der rote Franz relativ versteckt in einer kleinen Nische in einem Glaskasten, der zu größten Teilen aus undurchsichtigem Milchglas besteht. Das Landesmuseum wollte einen andächtigeren Umgang mit dem Tod. Für Eltern mit kleinen Kindern ist dies auch  vorteilhaft, denn die Moorleiche sieht gruselig aus und kann durchaus für Alpträume sorgen. Man erkennt bei dem Blick durch die Glasscheibe nicht nur die roten Haare, sondern auch den Schrei und die Panik im geschwärzten Gesicht des Mannes im Augenblick seines Sterbens.

Für mich als Weltenbummler und -träumer ist die völkerkundliche Sammlung besonders spannend. Hier gibt es Schmuckstücke aus vielen Ecken der Welt, die ich teilweise bereits bereist habe, die mir teilweise aber auch noch völlig fremd erschienen. Von melanesischen Masken, chinesischen Schreibmaschinen bis hin zu Booten und Kunstwerken gibt es hier eine ganze Menge exotischer Gegenstände zu bestaunen.

Landesmuseum Hannover Masken Melanesien

Masken aus dem Südwestpazifik

 

Landesmuseum Hannover Boote BIld

verschiedene Boote aus dem Pazifikraum auf Leinwand

 

Mir hatten es vor allem die asiatischen und ozeanischen Musikinstrumente angetan. Ein ganzes Gamelan-Orchester steht dort, das sogar von einem professionellen Gamelan-Orchester aus Hannover benutzt werden darf. Die Musik des Gamelan habe ich noch gut von meiner Reise nach Bali in Erinnerung und ich würde sie  gerne wieder live erleben.

Ein Stückchen weiter gibt es Hörproben von einzelnen ausgestellten Instrumenten. Da das Landesmuseum zum bewussten Zuhören einladen will, lässt sich immer nur eine Taste für ein Instrument gleichzeitig drücken. Der Zuhörer muss warten, bis die Musik komplett durchgelaufen ist, bis er ein neues Instrument anhören kann. Das bewusste Zuhören, das Entspannen bei Musik und das Vergessen von allem um einen herum – genau das hat das Museum bei mir geschafft, als ich still dasaß und jedes einzelne Instrument durchgehört, meine Lieblinge gekürt und diese nochmal genossen habe. Als ich mit dem ganzen Procedere fertig war, habe ich festgestellt, dass der Rest der Truppe unauffindbar ohne mich weitergezogen war – plötzlich war ich allein im Museum! Naja, zumindest allein auf der Etage.

Landesmuseum Hannover Musikinstrumente Suedostasien

Große Sammlung an Musikinstrumenten aus Südostasien und Ozeanien

 

Landesmuseum Hannover Panflöten

Zwei Panflöten aus Melanesien

 

 

 

 

KunstWelten: biblische Gemälde und Frühromantik

Ich bin sehr gerne selbst künstlerisch und kreativ tätig. Trotzdem stelle ich immer wieder fest, dass mich die Kunst in Museen einfach nicht anspricht. Von daher war es auch nicht so schlimm, dass ich durch mein Hängenbleiben bei den Musikinstrumenten die biblischen Gemälde des wasweißichwievielten Jahrhunderts verpasst habe. Als ich später wieder zur Führung dazutraf, hatten wir die religiösen Kunstwerke zum Glück schon hinter uns gelassen und widmeten uns der deutschen Frühromantik. Caspar David Friedrich kenne ich noch aus der Schulzeit, er ist einer der wenigen Künstler, dessen Werke mich einigermaßen ansprechen. Was vermutlich aber auch eher an seinen Motiven liegt, denn die Landschaftsmalerei liegt mir doch mehr als Portraits.

Bis in die Münzsammlung haben wir es an dem Abend übrigens nicht mehr geschafft, denn die Führung dauerte mittlerweile schon mehrere Stunden …

Landesmuseum Hannover Wilhelm Ahlborn

Wilhelm Ahlborn „Blick auf das neue Palais in Potsdam“

 

Das WeltenMuseum: Mein Fazit

Unsere Führung war sehr spannend und ich konnte Vieles lernen und bestaunen. Das Museum hat mir auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht. Ich werde meine Kinder beim nächsten Besuch dazu bewegen mit mir außer den WassserWelten auch die Land-, Luft- und KüstenWelten und die völkerkundliche Sammlung zu entdecken.

Das niedersächsische Landesmuseum ist mir außerdem sehr sympathisch geworden. Es hat sich seine eigene neue Ausrichtung als WeltenMuseum ausgedacht und vermarktet diese sehr erfolgreich. Und auch sonst ist das Museum medial unterwegs. Auf dem Instagram-Account werden regelmäßig Ausstellungsstücke in Szene gesetzt und auch mal die Besucher animiert ein Selfie mit dem Lieblings-Exponat zu machen.

 

Fische, der rote Franz und viel Musik – das alles und mehr könnt ihr mit euren Kindern im Landesmuseum Hannover erkunden. Informationen zum niedersächsischen Landesmuseum
Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag 10 – 17 Uhr, Samstag/Sonntag 10 – 18 Uhr
Adresse: Willy-Brandt-Allee 5, 30169 Hannover
Webseite: www.landesmuseum-hannover.niedersachsen.de
Preise:

  • Eintritt
    Erwachsene: 5 €, Kinder 5 – 17 Jahre: 4 €, Familien: 10 €
  • Sonderausstellung inkl. Sammlungen
    Erwachsene: 10 €, Kinder 5 – 17 Jahre: 8 €, Familien: 20 €
  • Freitags von 14 – 17 Uhr ist der Eintritt in die Sammlungen frei (gilt nicht für Sonderausstellungen und Feiertage)

 

Weitere Berichte über den Instawalk im Landesmuseum findet ihr hier:

Wart ihr schon einmal im niedersächsischen Landesmuseum in Hannover? Welches ist eure Lieblingswelt und welche Themen interessieren euch besonders? Habt ihr weitere Museumstipps mit Kindern? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Christin

 

Vielen Dank an das niedersächsische Landesmuseum für die Einladung zum Instawalk und den sehr kurzweiligen Abend. Die Führung durch das Museum hat mir großen Spaß gemacht!

P. S. : Leider ist ein Museum voller spiegelnder Glaskästen, Deckenstrahlern und blauer Beleuchtung in den Aquarien wohl nicht der beste Ort für eine popelige Handykamera. Ich habe versucht das Bestmögliche aus den Bildern rauszuholen. 😉 

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