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Spontan reisen mit Kind – es muss nicht immer alles durchgeplant sein

Suse von Jolly&Luke hat in einer Blogparade zum spontanen Reisen aufgerufen.

Doch kann spontanes Reisen mit Kind überhaupt funktionieren? 

 

Muss eine Reise mit Kleinkind nicht immer perfekt durchgeplant sein?
Viele Eltern haben bestimmt Hemmungen, mit ihren Kinder spontan zu verreisen und vor allem auf der Reise an sich spontan zu sein. In einigen Familien ist selbst der normale Alltag schon sehr durchgeplant.
Um 6 wird aufgestanden, um 8 geht es in die Krippe, um 12 wird das Kind wieder aus der Krippe abgeholt, dann gibt es Mittagessen und Mittagsschlaf, um 3 geht es dann zur Spielgruppe, um 6 gibt es Abendessen, danach wird gebadet und es geht ins Bett.
So ein regulärer Tagesablauf wäre nichts für mich. Und da wir nie so einen durchgeplanten, strukturierten Ablauf hatten, der jeden Tag gleich ist, konnte sich Moritz auch nie an feste Zeiten gewöhnen. Natürlich haben wir unsere kleinen Rituale, z. B. vor dem Schlafengehen, aber diese sind nicht an starre Zeiten gebunden.
Das hat den Vorteil, dass wir auch mal abends etwas länger unterwegs sein können als normalerweise, ohne dass es ein zu großes Theater gibt, oder dass wir bei schönem Wetter einfach spontan einen Tag am See oder im Zoo einlegen können.
Diese Vorteile eines eher ungeplanten Tagesablaufs lassen sich auch auf das Reisen mit Kleinkind übertragen.
Denn wenn ihr nicht alle Aktivitäten während eurer Reise starr durchplant, bleibt mehr Zeit für spontane Aktivitäten, die ihr je nach Lust, Laune und auch Wetterlage gestalten könnt.
Ein weiterer Vorteil des spontanen Reisens ist die Flexibilität. So könnt ihr, wenn es euch an einem Ort nicht gefallen sollte, einfach früher wieder abreisen als gedacht. Oder anders herum, wenn euch ein Ort besonders gut gefällt, länger bleiben als geplant. So haben wir es während unserer Japan-Rundreise in Kagoshima gemacht. Ursprünglich wollten wir nur zwei Tage in der Hafenstadt bleiben, aber weil es uns so gut dort gefallen hat, waren wir am Ende doch ganze acht Tage dort. Hätten wir schon von vornherein Unterkünfte für die nächsten Tage und Wochen gebucht, wäre eine Verlängerung unseres Aufenthaltes dort nicht, oder zumindest nur mit großem Aufwand, möglich gewesen.
Eine besonders gute Möglichkeit, um auf Reisen von Ort zu Ort zu gelangen, ist meiner Meinung nach der Zug. In den meisten Ländern ist es egal, wann ihr euer Zugticket bucht, denn es gibt meist keine Sparpreisaktionen wie in Deutschland, dafür sind die regulären Zugtickets aber auch nicht so teuer wie bei der Deutschen Bahn. Und meistens fahren die Züge zumindest in Ländern mit guter Infrastruktur mehrmals am Tag, so dass ihr auch spontan zum Bahnhof gehen und nicht lange auf den nächsten Zug waren müsst.
Auch die einzelnen Tage auf einer Reise haben wir nie genauer durchgeplant. Wir hatten zwar meist ein grobes Ziel, also einen bestimmten Stadtteil, Tempel oder eine Sehenswürdigkeit, die wir abklappern wollten, aber wir haben uns dafür immer genug Zeit gelassen. So hatten wir unterwegs die Möglichkeit, spontan an einem Spielplatz anzuhalten, wenn wir einen schönen auf dem Weg gefunden haben, oder einfach eine kleine Mittagspause zu machen.
Kinder sind spontane Wesen.
Vor allem kleinere Kinder, die die Uhrzeiten noch nicht verstehen, können mit einer konkreten Planung wahrscheinlich sowieso wenig anfangen, und verstehen z. B. nicht, wieso jetzt gerade keine Zeit ist, um auf den Spielplatz zu gehen oder noch bis in den Abend hinein Sandburgen zu bauen.
Ich kann mir außerdem vorstellen, dass größere Kinder schnell die Lust und die Motivation verlieren, wenn eine Reise komplett durchgeplant ist und keine Zeit für spontane Aktivitäten bleibt. Denn Kinder leben viel mehr als wir Erwachsenen im Hier und Jetzt und können noch nicht lange im Voraus denken und planen. Trotzdem wollen (und sollten sie auch ab einem gewissen Alter) ein wenig mitbestimmen dürfen. Dieses Mitbestimmungsrecht wird allerdings eher so aussehen, dass das Kind z. B. sagt: „Ich möchte JETZT ein Eis essen.“
Das fängt allerdings auch schon bei den Kleinkindern an, die spontan eine Rutsche sehen und dort hinlaufen, oder die eine Stunde lang Tauben durch die Innenstadt jagen.
Und auch ihr als Eltern habt vielleicht nicht immer Lust auf das, was ihr euch Tage oder gar Wochen als Aktivität für den Tag überlegt habt.
Viele Aktivitäten lassen sich auch viel besser spontan planen, wenn sie wetterabhängig sind, denn das Wetter können wir leider immer noch nicht planen. Aber ein geplanter Strandtag bringt wenig bei Regenwetter, und wenn eure Pläne einigermaßen flexibel gestaltet sind, ist das in so einer Situation nur von Vorteil.
Generell lässt sich wohl auch sagen, dass spontanes Reisen entschleunigt, denn es lässt mehr Platz und Freiheit für Aktivitäten aller Art, aber auch für freie und erholsame Tage.
Das spontane Reisen hat aber natürlich nicht nur Vorteile. Auch dies haben wir in Japan hautnah erlebt.
So kann es beispielsweise sehr anstrengend werden, wenn ihr noch keine Unterkunft gebucht habt und nun dringend einen Schlafplatz in einer noch unbekannten Stadt sucht. Dies gestaltet sich mit Kind meist auch schwieriger. Für eine Person alleine ist schnell noch ein freies Bett im nächsten Hostel oder in der Jugendherberge gefunden, aber als Familie seid ihr ja schon mindestens zwei, wahrscheinlich aber eher drei bis fünf Personen, die auch noch möglichst zusammen schlafen wollen. So viel Platz findet man nicht immer besonders schnell spontan.
Allerdings haben wir auch bemerkt, dass die Leute vor Ort zunehmend hilfsbereiter werden, sobald ein kleines Kind dabei ist. So könnt ihr die Gastfreundlichkeit und die Hilfsbereit der Einheimischen auch noch einmal viel stärker spüren. Wir haben jedenfalls auf unseren Reisen immer auch sehr spontan eine Bleibe für uns gefunden, auch als in Tokyo auf einmal unsere geplante Airbnb Unterkunft abgesagt hat.
Daher erhöht das spontane Reisen auch schnell die Kompromissbereitschaft aller Beteiligten. Am Ende seid ihr froh, wenn ihr überhaupt eine Unterkunft findet, und müsst euch nicht noch darüber streiten, ob das Zimmer schön genug ist oder nicht.
Und auch, wenn etwas einmal nicht so klappt, wie ihr es euch vorgestellt habt, mag das in dem Moment an sich natürlich nicht so schön sein. Dennoch bringt es auch seine Vorteile mit sich. Ihr verlasst eure Komfortzone und  lernt so quasi automatisch, die Dinge etwas mehr schätzen zu wissen.
Und außerdem habt ihr später wenigstens eine gute Geschichte parat sowie eine Erinnerung für die nächsten Male, dass es (hoffentlich) eigentlich gar nicht so schlimm war wie befürchtet, oder dass es zumindest auch irgendwie vorbeigegangen ist. Ich erinnere mich in schlimmen Momenten auf Reisen gerne an meinen Aufenthalt in den Niederlanden zurück, als mein geplanter Zug zurück nach Hannover spontan gestrichen wurde (es war natürlich der letzte am Tag) und ich eine Nacht am Groninger Bahnhof verbracht habe. Es war wirklich nicht schön, aber im Nachhinein war es auch eigentlich überhaupt nicht schlimm und zeigt mir in schlechten Momenten immer wieder, dass auch diese wieder vorübergehen und es später, wenn ich darauf zurückblicke, nicht so schlimm erscheinen wird.
Die spontanste Art zu reisen ist übrigens eine Fahrradtour. Denn hierbei könnt ihr kaum planen, wann ihr wo schlafen werdet, da es extrem wetterabhängig ist, wie weit ihr am jeweiligen Tag überhaupt kommt. Und auch von der ganz individuellen Tagesform, der Geländestruktur, dem Wind, der Laune des Kindes im Anhänger oder auf dem Nachläufer. Eine Unterkunft im Voraus zu buchen ist hier also sehr schwierig und auch bei einer festen Buchung immer noch mit einer gewissen Unsicherheit behaftet, ob ihr es bis zum Abend überhaupt bis zur jeweiligen Unterkunft schaffen könnt. Es ist also immer gut, ein Zelt dabei zu haben, dass sich auch spontan auf einer Wiese aufschlagen lässt, wenn sich partout keine Unterkunft oder ein Campingplatz auffinden lässt.

Fazit

 

 

Ihr seht also, das spontane Reisen mit Kind ist möglich und in gewisser Form sogar sinnvoll, um sich zu viel Stress beim Einhalten eines geplanten Zeitplanes zu ersparen. Kinder sind generell viel spontaner als wir Erwachsenen, und wir sollten uns auch auf Reisen öfter mal ihnen und auch ihrem Tempo anpassen.

 

 

Das spontane Reisen bringt euch auch mit Kindern mehr Flexibilität, mehr Abwechslung und mehr Freiheiten. Aber es hat natürlich nicht nur Vorteile, denn oft müsst ihr auch Kompromisse eingehen.

 

 

Wie steht ihr zum spontanen Reisen mit Kinder? Seid ihr Spontanreisende oder plant ihr eure Reise komplett durch? Ich freue mich auf einen Kommentar! 

Christin

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