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Wieso mir der Ueno Zoo Tokyo in schlechter Erinnerung geblieben ist

Gehst du mit deiner Familie auch gerne einmal in einen Zoo?

 

Gerade auf Reisen kann ein Tag im Zoo eine willkommene Abwechselung zum anstrengenden Sightseeing mit Kind darstellen. Das Kind ist beschäftigt und die Eltern können zumindest kurz entspannt durchatmen.

 

Dennoch bereitet mir ein Zoobesuch immer auch ein etwas mulmiges Bauchgefühl.

 

Einerseits finde ich es natürlich toll, wie sich mein Sohn für die Tiere begeistert, staunend zu den Giraffen emporblickt und an der Scheibe vom Tigergehege klebt. Und ich selbst finde es auch toll, den Elefanten beim geschickten Anhäufen ihres Futters mit dem Rüssel zuzusehen.

 

Außerdem weiß ich auch, dass Zoos nicht nur eine Umweltbildungsfunktion haben, sondern auch an Zuchtprogrammen oder sogar Wiederansiedlungsprogrammen teilnehmen und bedrohte Arten schützen.

 

Andererseits ist ein Zoo auch ein Stück weit Illusion. Denn so, wie viele der Tiere im Zoo leben, würden sie in freier Wildbahn vermutlich kaum überleben können. Physisch sieht man dann zwar einen Elefanten vor sich, der aber vom Verhalten her kaum noch einem natürlichen Elefanten gleicht.

 

Zweifellos ist wohl jedes Tier in der Wildnis oder zumindest naturnahen Reservaten besser aufgehoben als in einem Zoo. Außer natürlich, die Tiere sind in ihrer Heimat durch Lebensraumzerstörung oder menschliche Jagd bedroht. Zu beachten ist hier allerdings, dass die meisten Tiere, die heutzutage in einem Zoo leben, nicht in der Wildnis gefangen genommen wurden, sondern in Zoos gezüchtet wurden.

 

Dennoch treibt es mich und meine Familie regelmäßig in einen Zoo.

 

Unterwegs im Ueno Zoo

 

So landeten wir auch in Tokyo im Ueno Zoo, der im Ueno Park liegt und einer der ältesten Zoos in Japan ist.

 

Wieso dieser Zoo mir regelrechte Bauchschmerzen bereitet hat, erfährst du gleich.

 

Aufgrund des Platzmangels im Zentrum Tokyos ist der Ueno Zoo zweigeteilt. Der Zoo gliedert sich in den East Garden und den West Garden. Wenn du von einem Teil zum anderen gelangen möchtest, kannst du entweder über eine Brücke gehen, die über eine vielbefahrene Straße führt. Oder du lässt dich bequem mit der zooeigenen Monorail kutschieren.

 

Wenn du über den Ueno Park ankommst, wirst du wahrscheinlich zuerst den East Garden besichtigen.

 

Gleich am Eingang wartet schon die Attraktion des Zoos: zwei große Pandas. Typisch japanisch sind vor dem Eingang zum Panda-Gehege Warteschlangen-Abtrennungen und Aufpasser aufgestellt. Eine Warteschlange gab es übrigens nicht.

 

Beide Pandas befanden sich getrennt voneinander in zwei separaten Innengehegen. Wieso das so war, weiß ich nicht, aber ich hätte schon mit einem gemeinsamen Gehege gerechnet. Vielleicht waren wir aber auch zur falschen Zeit da. Denn beim Rausgehen konnten wir noch einen recht geräumig wirkenden Außenbereich sehen, der anscheinend mit zum Panda-Gehege gehört.

 

Einige Tage später habe ich gelesen, dass beide Pandas aus dem chinesischen Wolong-Naturreservat stammen und von dort aus in den Ueno Zoo kamen, nachdem der erste Panda des Zoos verstorben war. Auch hierfür konnte ich wieder keinen Grund finden, denn eigentlich sollte ein Umzug der Tiere genau andersherum erfolgen.

 

Im East Garden sind auch die asiatischen Elefanten beheimatet. Das Gehege wirkt für drei ausgewachsene Elefanten allerdings schon recht eng. Als wir kurz vor Zooschluss noch einmal zu den Elefanten gucken wollten, waren sie schon in ihrem Haus für die Nacht. Durch die Fenster konnten wir erkennen, dass die Elefanten dort angekettet waren – eine leider nicht sehr moderne Methode der Elefantenhaltung im Stall.

 

Trotz diesen beiden Beispielen ist der East Garden insgesamt schön gemacht. Die Wegränder sind mit hohem Gras bewachsen und vor allem die Gehege von Gorilla, Tiger und Löwe sind sehr groß und weitesgehend an die natürliche Umgebung der Tiere angepasst.

 

Einen sehr krassen Kontrast erlebst du allerdings, sobald du die Brücke zum West Garden passiert hast. Dieser besteht nämlich neben einem See mit getrocknetem Schilff vor allem aus einer großen Betonfläche mit Käfigen und Schauhäusern.

 

Absolut erschreckend finde ich hier die Haltung gleich mehrerer Tierarten.

 

Hier sind einige der großen afrikanischen Arten untergebracht: Zebra, Nilpferde, Nashorn, Giraffe und Okapi leben im West Garden.

 

Als erstes triffst du wahrscheinlich auf das Zebra. Ja, das eine Zebra. Obwohl Zebras in freier Natur in riesigen Herden zusammenleben, gibt es im Ueno Zoo nur ein Zebra. Und dieses lebt in einem absolut winzigen Gehege.

 

Allein das wäre für mich schon erschreckend genug gewesen, aber wie ich schnell feststellte, hat es das Zebra in seinem winzigen Außengehege noch vergleichsweise gut.

 

Hinter dem Zebra-Gehege befindet sich der Eingang zum Afrika-Haus. Nilpferde, Nashorn, Giraffe und Okapi sind hier untergebracht. Sie alle haben kein Außengehege, sondern absolut enge Käfige in einem gemeinsamen Schauhaus, die keine natürliche Dekoration aufweisen.

 

Wie du vielleicht anhand der Aufzählungen schon bemerkt hast, gibt es auch von Nashorn, Giraffe und Okapi auch jeweils nur ein Examplar. Nilpferde gibt es zwar mehrere, jedoch leben auch hier alle Tiere getrennt voneinander in winzigen Gehegen. Die Nilpferd-Gehege sind aus Beton und beinhalten eine Wasserfläche, die kaum groß genug ist, dass sich das Tier darin umdrehen könnte. Und sie ist so flach, dass im Stehen noch ein Teil des Nilpferd-Rückens herausguckt.

 

Ich musste wirklich schnell wieder aus dem Afrika-Haus heraus, weil ich diese Anblicke absolut nicht ertragen konnte. Selbst beim Gedanken daran steigen mir schon wieder die Tränen in die Augen.

 

Aufgrund der geringen Platzverhältnisse gibt es im Ueno Zoo einige Schauhäuser, in denen vor allem Kleintiere in Terrarien und Aquarien untergebracht sind. Hierbei sind einige exotische Arten vertreten, die ich noch nie live außerhalb von Dokumentationen und Fotos gesehen habe, wie Krokodil, Schnabeltier und Gürteltiere.

 

Die Gürteltiere sind meine klaren Überraschungs-Lieblinge, wie sie pausenlos in ihrem Terrarium umherrennen und einfach nicht müde zu werden scheinen. Sie erinnern mich ein bisschen an meinen Sohn …

 

Außerdem sind gleich drei Schauhäuser mit nachtaktiven Tieren wie Fledermäusen sowie ein Streichelzoo im Ueno Zoo vorhanden.

 

Die Namen der Tierarten stehen übrigens auf japanisch, englisch und latein am Gehege, die weiterführenden Beschreibungen und Erklärungen gibt es allerdings nur auf japanisch.

 

Für den kleinen Hunger zwischendurch sind einige Burger-/Pommes-/Würstchen-Buden im Zoo verteilt, für den großen Hunger lockt eine Cafeteria. Das Hühnchenfleisch in meiner Gemüsesuppe hat mir hier allerdings etwas den Appetit verdorben (aber als Vegetarier in Japan zurechtzukommen, ist generell etwas schwierig …).

 

Fazit

 

Während der East Garden im Großen angenehm gestaltet wurde und lohnenswert ist, hat mich die Tierhaltung im Afrika-Haus im West Garden mehr als entsetzt.

 

Ich persönlich finde es nicht in Ordnung, große Tiere, die eine Herde und viel Platz brauchen, in einzelne, enge und unnatürliche Gehege zu sperren. Nur damit der Zoo mit diesen populären und klassischen Zootierarten werben kann …

 

Wenn ein Zoo die Kapazitäten zur Haltung solcher Tiere nicht hat, sollte er die entsprechenden Tiere lieber an andere, besser ausgestattete Zoos abgeben.
Denn ich meine, einem Zoo sollte die artgerechte Haltung seiner Tiere wichtiger sein als einem Zoobesucher sämtliche Tierwünsche erfüllen zu wollen. Der Zoo trägt ja schließlich auch die Verantwortung für das Wohlergehen der Tiere.

 

Mein Sohn ist noch zu klein um diese Problematik zu verstehen, er freut sich einfach über jedes Tier, das er sieht (und trotzdem bin ich froh, dass er gerade das Afrika-Haus verschlafen hat …). Wenn du den Ueno Zoo mit etwas älteren Kindern besuchen möchtest, kannst du sie ja vielleicht für die Problematik einer nicht-artgerechten Zootierhaltung sensibilisieren. Ich denke, ab einem gewissen Alter können Kinder auch verstehen, dass es in einem Zoo mehr um die Bedürfnisse der Tiere als die der Menschen gehen sollte.

 

Einen Rabatt für den ohnehin schon günstigen Eintritt (600 ¥, bis 12 Jahre frei) findest du übrigens im Tokyo Reiseführer, den du kostenlos in der Touristen-Information im Rathaus bekommst.

 

Und nun bist du dran: Gehst du mit deiner Familie auch gerne in Zoos? Gibt es einen Zoo, der dir besonders positiv oder negativ in Erinnerung geblieben ist? Ich freue mich auf deine Kommentare!

Christin

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