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Unsere größten Reisepannen in Japan

Ein Experte ist jemand, der in einem begrenzten Bereich schon alle möglichen Fehler gemacht hat.Nils Bohr

Ich darf mich nun also hochoffiziell als Japan-Experte bezeichnen. Denn während unser Reise durch Japan schlitterten wir von einer Panne in die nächste. Reisepannen sind natürlich in der jeweiligen Situation richtig blöd und unangenehm. Aber wie ihr seht, haben Reisepannen auch eine positive Seite: Man hat danach eine super Geschichte auf Lager!

Sabine von Gecko Footsteps hat nach genau diesen Geschichten in ihrer Blogparade gefragt.

Hier sind sie nun, chronologisch geordnet, unsere Reisepannen in Japan:

 

Reisepanne #1: keine Unterkunft in Tokyo

Unsere erste Reisepanne in Japan begann schon in Deutschland. Wir waren gerade fertig in München eingecheckt und warteten auf das Boarding, als ich eine E-Mail von unserer AirBnB-Gastgeberin in Tokyo bekam: Sie freut sich auf unser Kommen – übermorgen! Wie, übermorgen?! Nein nein, wir kommen morgen! Ich schrieb ihr schnell zurück, dass sie sich wohl im Datum vertan hat. Und las noch ihre Antwort, dass sie sich tatsächlich vertan hat – aber morgen geht trotzdem nicht, da ist sie nicht in Tokyo. Wir können aber weiterhin übermorgen kommen.

Wir stiegen in den Flieger und ich musste das Handy ausmachen. So flogen wir also los mit dem flauem Gefühl im Bauch, nicht zu wissen, wo wir hinsollen, wenn wir ankommen. Beim Umsteigen in Helsinki zückte ich also so schnell wie möglich das Tablet und versuchte, eine neue Unterkunft für uns zu organisieren. Leider (in dem Falle) war die Umsteigezeit recht kurz und ich wurde nicht fündig.

Das flaue Gefühl während des Fluges von Helsinki nach Tokyo wuchs mit jeder Minute. Am nächsten Tag (morgen!) landeten wir nachmittags in Tokyo und hatten immer noch keinen Plan, wo wir die Nacht verbringen sollten. Ich durchforstete weiter das Internet und fand schließlich ein Hostel, das noch ein freies Zimmer für drei Leute zu haben schien – und es ging einfach nicht zu buchen. Da es das einzige war, was ich innerhalb einer Stunde Suche am Flughafen fand, machten wir uns schließlich auf um unangemeldet das Hostel zu suchen (ein absoluter Fauxpas in Japan!).

Das spontane Kommen war zum Glück überhaupt kein Problem. Die Hostelmutter sprach perfekt englisch (eine Seltenheit in Japan) und verliebte sich sofort in unseren kleinen Blondschopf. Wir durften schließlich das Frauenzimmer beziehen, das gerade leer stand. Das Hostel war ein absoluter Glücksgriff in unserer Notlage.

 

Reisepanne #2: kein Geld

Mit Abstand die schlimmste Reisepanne, die wir bisher hatten. Nach etwa einer Woche war das mitgebrachte Bargeld aufgebraucht und wir kamen nicht mehr an unser Geld auf dem Konto.

Da ich meine komische Kreditkarte nicht leiden kann, weil ich die Funktionsweise nicht verstehe (leider war die komische Kreditkarte die einzige, die ich als Studentin bekommen habe …), versuche ich so gut es geht ohne die komische Kreditkarte auszukommen. Ich habe mich vor der Reise also in der Sparkasse erkundigt, ob ich meine normale Girokarte auch in Japan benutzen kann. Kein Problem!, sagte mir der nette Sparkassenmitarbeiter und erzählte mir eine Viertelstunde lang von seiner Japanrundreise vor 20 Jahren, während hinter mir die Schlange immer länger wurde. Ich ließ die komische Kreditkarte also in Deutschland.

Wie sich nun in Japan herausstellte, war es aber doch ein Problem. Ein unlösbares Problem. Nachdem wir gefühlt sämtliche Bankautomaten in Tokyo mit unseren drei verschiedenen Sparkassenkarten, die wir mithatten, vergeblich durchprobiert hatten, wandten wir uns nochmals an die Sparkasse Hannover. Prompt kam eine E-Mail zurück. Nee, mit Japan kooperieren wir schon seit 6 Jahren nicht mehr. Das funktioniert im ganzen Land nicht.

Mein Freund drehte durch und wollte wieder zurück fliegen. Ich weiß bis heute nicht, von welchem Geld er sich ein Flugticket hätte kaufen wollen. Ich beschloss währenddessen, uns selbst Geld per Western Union zu schicken. Ist kein großes Ding, einmal das Geld an Western Union überwiesen, kann man es sofort in bar am Schalter abholen. Super Sache.

Somit schlitterte ich nahtlos in Reisepanne #3: Kein Handynetz. Geld überweisen aus einem anderen Land ist kein Problem, mit SMS-Tan. Aber das funktioniert eben nur mit Handynetz. Nein, man kann das Tan-Verfahren nicht einfach so ändern, da müssen Sie schon persönlich in die Filiale kommen. 

Die allerletzte Lösung war also, unsere Eltern nach Geld zu fragen. Beide überwiesen Geld per Western Union. Je nach Summe muss man sich bei Western Union übrigens zunächst verifizieren lassen. Und das daaaaauert! In der Zwischenzeit haben wir noch etwas Bargeld in Euro gefunden, das wir umtauschen konnten. Die letzten Tage ohne Geld waren hart, da wir uns nichts mehr zu essen kaufen konnten und von unseren letzten Vorräten leben mussten. Moritz hat die echten Vorräte bekommen, während mein Freund und ich uns einen Tag lang nur von schokolierten Kaffeebohnen ernährt haben – er die Bohne, ich die Schokolade. Am nächsten Morgen war zum Glück das Geld da.

Um unsere Geldvorräte zu schonen, haben wir über die gesamte Reise darauf geachtet, Unterkünfte möglichst per Paypal bezahlen zu können (das funktioniert wunderbar bei Expedia und auch bei AirBnB, wenn der Gastgeber Paypal autorisiert hat).

 

Reisepanne #3: kein Handynetz

Zugegeben, diese Panne hätten wir leicht verhindern können, hätte sich jemand nur einmal kurz die Seite zu den wichtigen Hinweisen im Reiseführer angeschaut. Einige deutsche Simkarten bekommen in Japan kein Netz, irgendwelche unüberwindbaren Unterschiede, diese wilde Technik. In Zeiten von Internettelefonie und WhattsApp keine dramatische Panne, außer man möchte gerade ganz dringend Geld per SMS-Tan überweisen …

 

Reisepanne #4: Unterkunft in Osaka abgesagt

Wir haben es wohl nicht so mit den Unterkünften in Japan … Ich buchte in Kyoto eine Unterkunft für Osaka über AirBnB. Einen Abend, bevor wir nach Osaka losfahren wollten, schrieb ich dem Gastgeber eine Email, wie wir zu ihm kommen können und wann wir dort sein sollen. Er schrieb mir recht schnell zurück, dass seine Unterkunft voll ist und er uns nicht aufnehmen wird. Dabei hatten wir die Unterkunft ja schon längst gebucht.

Wieder leicht panisch fragte ich in dem Hostel, in dem wir gerade noch in Kyoto waren, ob wir noch ein paar Tage länger bleiben können, da unsere nächste Unterkunft abgesagt hat. Wir durften also noch drei weitere Tage dort bleiben, länger ging allerdings nicht.

Als nächstes schrieb ich an AirBnB, dass uns der Host abgesagt hat und wir deswegen das Geld von ihm zurückbekommen wollen. Ich bekam superfix eine Antwort, dass uns das Geld gutgeschrieben wird und weil wir dringend eine neue Unterkunft brauchten, durften wir eine beliebe Unterkunft in Osaka davon buchen, auch wenn diese teurer ist als das, was wir bezahlt haben. An dieser Stelle noch einmal ein dickes Dankeschön an AirBnB, dadurch haben wir schnell eine neue Bleibe für uns gefunden, die wir uns anderweitig nicht hätten leisten können.

 

Reisepanne #5: fast den Rückflug verpasst

Streng genommen handelt es sich hierbei nicht um eine Reisepanne, denn wir haben den Flug zurück nach Deutschland ja nur fast verpasst. Am Abend vor unserem Abflug erkundeten wir uns, wie wir am besten (und günstigsten!) zum Flughafen kommen würden.

Ein netter Mitarbeiter in einer JR-Station buchte und zwei Tickets, die erstaunlich günstig waren, so dass wir von unserem restlichen Japangeld sogar noch einmal essen gehen konnten – das ganze war am Ende bis auf den letzten Yen durchkalkuliert. Wir ahnten allerdings nicht, mit welchem Zug wir schließlich fahren sollten, wir waren der festen Überzeugung, wir hätten ein Ticket für einen JR-Zug. Doch anstatt mit dem normalen Zug zum Flughafen zu fahren, hatte uns der Mitarbeiter ein Ticket für die S-Bahn gelöst. Da wir aber am Abend vorher unsere letzten Yens beim Essen ausgegeben hatten, konnten wir wohl oder übel kein anderes Ticket mehr kaufen.

Nachdem uns endlich eine Mitarbeiterin am Bahnhof erklären konnte, zu welchem Gleis wir überhaupt müssen, mussten wir noch eine Dreiviertelstunde auf die Bahn warten. Endlich in der Bahn sitzend, haben wir sagenhafte 2,5 Stunden vom Bahnhof in Yokohama bis zum Flughafen gebraucht. Mein Freund ist wieder fast durchgedreht, denn der Abflug kam schneller näher als wir dem Flughafen.

Schließlich kamen wir 8 Minuten vor Ende des Check-Ins endlich am Bahngleis des Flughafens an. Erstaunlicherweise habe ich es in den 8 Minuten tatsächlich geschafft, den richtigen Schalter zu finden und unser Gepäck abzugeben. Ich war beruhigt, denn nun wusste man am Flughafen, dass wir da sind und das Flugzeug würde mit Sicherheit auf uns warten. Mein Freund war immer noch wahnsinnig nervös, scheuchte uns durch die Sicherheitskontrolle und hetzte den Weg zum Gate entlang. Eine nette kleine Frau kam uns entgegen und fragte, ob wir noch in das Flugzeug nach Helsinki wollen. Wir werden schon gesucht. Alles gut, das Flugzeug hat auf uns gewartet. Kein Grund zur Panik. 

 

Fazit

Heute, ein Jahr später, kann ich über unsere Reisepannen in Japan lachen. Mein Freund nörgelt noch gelegentlich (aber mittlerweile schon fast lachend), wie ich bloß die Kreditkarte zu Hause lassen konnte. Ich weiß nicht, was uns die komisch Kreditkarte überhaupt gebracht hätte, denn bis heute habe ich noch nicht verstanden, wie ich Geld auf das blöde Teil bekomme (es wird dringend Zeit, den Mist zu kündigen und mir eine vernünftige Karte zuzulegen …). Und überhaupt, er hat ja selbst auch keine Kreditkarte mitgenommen. Manchmal können wir aber sogar schon zusammen darüber lachen. Und erinnern uns an die Situationen. Wie glücklich wir waren, als wir 20 € in Yen wechseln konnten und uns davon ein warmes Mittagessen gekauft haben, wie eklig überhaupt Kaffeebohnen ohne Schokolade schmecken und wie ich seelenruhig vor der Sicherheitskontrolle noch schnell meine Flasche leer trinken wollte. Das ist besonders schön, denn es schweißt zusammen. 

 

Reisepannen geben mir im Nachhinein ein gutes Gefühl. Ich habe Krisen in fremden Ländern gemeistert und habe dabei festgestellt, dass sich doch immer wieder alles zum Guten wendet. Keine Panne ist gleich das Ende der Welt. Und wenn ich Pannen und Krisen am anderen Ende der Welt lösen kann, schaffe ich das zu Hause ja allemal.

 

Ich habe außerdem bemerkt, dass ich ziemlich ruhig und klar denken kann, sobald alle – also mein Freund, die Kinder erkennen solche Krisen ja meist noch nicht – verzweifeln. Dabei bin ich übermäßig entspannt und komme mit durchaus kreativen Lösungswegen an. „Wir sprechen jetzt Leute auf der Straße an, ob sie uns Geld geben, wenn wir ihnen direkt das Geld per Paypal zurück überweisen!“ oder „Komm, wir erklären dem Mann dort hinten, ob er uns kurz sein Handy leiht, damit wir beim Flughafen anrufen können – wir sind auf dem Weg und die sollen auf jeden Fall auf uns warten!“

 

Welche Reisepannen habt ihr erlebt? Und wie habt ihr die Krise gelöst? Könnt ihr mittlerweile auch darüber lachen oder habt ihr sogar etwas daraus gelernt? 

Ich freue mich auf euren Kommentar! 

Christin

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