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Wie kinderfreundlich ist eigentlich Japan?

Wie gut lässt es sich eigentlich in Japan mit Kleinkindern reisen?

 

Für reisende Eltern mit Kleinkindern ist das natürlich eine wichtige Frage. Daher möchte ich dir anhand verschiedener Kategorien die Kinderfreundlichkeit in Japan ein bisschen näher bringen.

Unterkünfte

 

Wir hatten nie Probleme ein Kleinkind mit in unsere Unterkünfte zu nehmen, obwohl wir immer nur für zwei Personen gebucht hatten und unseren Sohn nicht immer vor dem Check-In anmelden konnten.

 

Du solltest allerdings nicht erwarten, dass deinem Nachwuchs im Hotel ein Babybettchen zur Verfügung gestellt wird. Japanische Hotelzimmer sind so eng, dass außer dem Bett kaum noch etwas hinein passt. So musste unser Sohn auch im als familien- und kinderfreundlich ausgezeichneten Hotel mit in unserem Doppelbett schlafen. Dafür haben wir dort Windeln sowie Kinderzahnbürste und -zahnpasta gestellt bekommen.

 

Viele unserer Unterkünfte hatten das Problem, dass es keine hohe Abstellfläche gab, an die unser Sohn nicht herangekommen wäre. Die einzige Lösung war dann, eine Tasche mit den verbotenen Sachen zu packen und sie (falls vorhanden) an einen Jackenhaken zu hängen.

 

Wenn du eine komplette Wohnung zum Beispiel bei Airb’n’b buchst, erwarten dich noch andere Probleme. Leicht bedienbare Schiebetüren, Papierfenster und der Gasherd mit Knöpfen in bester Spielhöhe werden schnell zu den neuen Lieblingsspielzeugen erkoren.

 

Transport

 

In der Tokyoter S-Bahn kann es mit Kinderwagen oder Buggy schon ganz schön eng werden. Und auch in den Zügen fehlt ein genügend großer Stellraum.

 

Kein Wunder also, dass du in Japan kaum kinderwagenschiebende Eltern sehen wirst. Stattdessen werden sich die Kleinsten in einer Tragehilfe vor den Bauch geschnallt.

 

Leihbuggys gibt es aber trotzdem, vor allem in Kaufhäusern und Museen kannst du dir am Eingang einfach einen Buggy mitnehmen.

 

Durch die sehr hohe Barrierefreiheit in Japans Städten wäre ein Ausflug mit Kinderwagen oder Buggy allerdings wohl kein Problem.

 

Auf größeren Straßen sind stets breite Fußwege mit Absenkungen an Kreuzungen vorhanden. In kleineren Straßen wird meist direkt auf der Straße gelaufen, oder du wirst als Fußgänger durch eine Markierung auf der Straße von der Fahrbahn getrennt.

 

Auch viele Sehenswürdigkeiten wurden möglichst rollstuhlgerecht angepasst. An vielen Tempeln und Schreinen findet sich neben den Treppen noch eine Rollstuhlrampe. Und Fahrstühle gibt es sowieso überall.

 

Wir waren wieder mit dem Tragerucksack unterwegs. So sind wir flexibel, falls doch eine Treppe auf dem Weg ist und wir können gleichzeitig allehand Wickelsachen und Wechselklamotten mitnehmen.

 

In den Bahnen gibt es Priority Seats unter anderem für Schwangere und Reisende mit Babys und Kleinkindern. Diese Sitze werden aber von allen Fahrgästen benutzt. Auch wenn die Bahn voll ist, ist es nicht allzu häufig, dass einem ein Platz auf einem Priority Seat angeboten wird.

 

Wickeln, Toiletten & sonstige Hygiene

 

Öffentliche Toiletten finden sich an jeder Straßenecke und haben
immer auch eine Wickelmöglichkeit. Auf vielen Damentoiletten gibt es außerdem Babysitze.

 

Für Kinder, die schon selbst auf Toilette gehen können, ist der Toilettengang in Japan sicherlich ein Spaß. Die Klobrillen sind beheizt, die Toilette macht Geräusche beim Draufsetzen und man sich danach von allen Seiten abspritzen lassen.

 

Sobald du aus Tokyo herauskommst, wirst du allerdings immer öfter auf traditionell japanische Toiletten stoßen, auf denen sich lediglich hingehockt wird.

 

Windeln sind nicht ganz so leicht zu finden wie Toiletten, denn nicht jeder Supermarkt oder jede Drogerie führt welche.

 

In einem gut sortierten Drogeriemarkt gibt es auch sonst alles, was der Nachwuchs so braucht; von Kindersonnencreme über Kinderzahnpasta bis hin zu unidentifizierbaren Kinderzahnplegeutensilien ist alles vorhanden.

 

Essen & Trinken

 

Wir haben das Glück, dass unser Sohn alles isst, was man ihm so vorsetzt. Ich kann mir allerdings gut vorstellen, dass nicht alle Familien dieses Glück teilen.

 

Das japanische Essen besteht natürlich zu einem Großteil aus Reis und Fisch. Wenn der Spross bei beidem auf stur stellt, brauchst du es in einem japanischen Restaurant eigentlich gar nicht mehr versuchen. Ein Italiener findet sich aber immer.

 

Größere Restaurants stellen oft einen Hochstuhl zur Verfügung, kleinere Restaurants besitzen meist keinen. Fast jedes Restaurant, in dem wir waren, hatte dafür Kinderschüsselchen und -besteck aus Melanin.

 

Generell hatten wir auch hier nie Probleme ein Kleinkind mit in ein Restaurant zu bringen. Auch wenn er gelegentlich eine kleine Sauerei veranstaltet hat.

 

In den großen Supermärkten gibt es fast alles, was man auch in Deutschland kaufen kann, vor allem Käse und Obst aber um Einiges teurer.

 

Auf ein paar Dinge wirst du allerdings trotzdem verzichten müssen. Allen voran natürlich das deutsche Brot. Toastbrot gibt es ja trotzdem. Außerdem wirst du wahrscheinlich im gesamten Land keine Lakritze auftreiben können.

 

Auch eine Eisdiele haben wir nicht gesehen. Gelegentlich finden sich Eisstände in italienischen Restaurants oder in der Lebensmittelabteilung der Kaufhäuser. Für 400 ¥ pro Kugel allerdings nicht gerade das Günstigste Vergnügen.

 

Wenn du gerne einmal zum Eistee greifst, wirst du in Japan vermutlich enttäuscht. Es gibt zwar in jedem Convinience Store Eistee zu kaufen, allerdings handelt es sich hierbei um kalten Grünen Tee.

 

Das Leitungswasser in Japan ist generell trinkbar, aber es schmeckt in den meisten Gegenden sehr chlorig und hat mich daher eher an ein Schwimmbad erinnert

 

Spielplätze & Parks

 

In Japan einen Spielplatz zu finden sollte wohl nie ein Problem darstellen. Denn selbst in Großstädten befindet sich an vielen Ecken zumindest ein kleinerer Spielplatz mit einer Rutsche.

 

Jeder Spielplatz ist mit mindestens einer Rutsche und meistens einer kleinen Klettermöglichkeit ausgestattet. Größere Spielplätze hingegen haben oft einen ganzen Komplex aus Klettergerüst und mehreren Rutschen. Wobei hier auch immer eine kleiner Rutsche mit einem für Kleinkinder zu meisternden Einstieg vorhanden ist.

 

Nicht alle Spielplätze haben Schaukeln, dafür wartet hier auch oft ein Schaukel mit Babysitz auf den Besuch der Kleinsten.

 

Einen Sandkasten haben wir allerdings nur auf einem einzigen Spielplatz in ganz Japan entdeckt. Vielleicht liegt dies auch ein bisschen am Ordnungs- und Sauberkeitstick der Japaner. Jedenfalls mussten die Kinder auf dem Spielplatz mit Sandkasten für das Klettergerüst ihre Schuhe ausziehen.

 

Auffällig ist außerdem, dass die Spielplätze in Japan größtenteils geteert sind und sich nicht wie bei uns auf Gras, Mull oder sonstigem weichen Boden befinden.

 

Ein riesiger Pluspunkt japanischer Spielplätze ist, dass es auf wirklich jedem Spielplatz eine Toilette mit Wickelmöglichkeit sowie einen Trinkwasserspender gibt.

 

Die japanischen Eltern auf Spielplätzen wirken sehr behütend, stehen neben Rutsche und Klettergerüst und erklären dem Nachwuchs was zu tun ist. Während unser Sohn sich frei auch auf der großen Rutsche austurnen durfte, nachdem er es zum ersten Mal alleine die Treppe hinauf geschafft hat.

 

Die Parks sind ähnlich wie die Spielplätze meistens mit geteerten Wegen ausgestattet und bieten nur vergleichsweise kleine Rasenflächen. Viel Platz zum Spielen und Toben bleibt da leider nicht.

 

Einige Parks haben allerdings flache Brunnen mit Fontänen, die sich bei gutem Wetter wunderbar zum barfuß Durchrennen und Plantschen eignen.

 

Attraktionen & Aktivitäten

 

Japan hat so einige Attraktionen für Kinder zu bieten.

 

Angefangen natürlich mit Disney Land und Disney Sea in Tokyo. Auch außerhalb von Disney Land gibt es eine Menge Disney-Kram zu kaufen, besonders beliebt sind im Moment die Figuren aus Frozen. Auch Hello Kitty und Pokémon stehen in Japan weiterhin hoch im Kurs.

 

Jede japanische Stadt, die etwas auf sich hält, besitzt mindestens einen Zoo, ein Aquarium und ein Riesenrad. In Yokohama gibt es neben dem Riesenrad sogar noch einen kleinen Vergnügungspark.

 

Auch Spielplätze finden sich an jeder Ecke. In Hiroshima gibt es außerdem ein Kindermuseum, das mehr einem riesigem Indoor-Spielplatz gleichen soll als einem Museum. Leider fanden genau in der Woche, als wir in Hiroshima waren, gerade Renovierungsarbeiten statt und das Museum hatte geschlossen.

 

Umgang mit Kleinkindern

 

Die Japaner sind generell sehr liebevoll im Umgang mit Kleinkindern.

 

Vor allem ein blondes Kind ist in Japan eine große Attraktion. Auf der Straße wurden wir ständig von Leuten angehalten, die kurz mit unserem Sohn reden oder ihm einfach zuwinken wollten. Einige Leute haben sogar Fotos mit ihm zusammen gemacht.

 

Und im Vorbeigehen hörten wir aus jeder Ecke kawaii (=niedlich, süß).

 

Selbst wenn unser Sohn geweint hat, kamen viele Leute zu ihm und wollten ihn trösten. So hat er sich durch kurzzeitige schlechte Laune eine ganze Menge Schokolade und sonstige Süßigkeiten erschnorren können. Von einer Starbucks-Mitarbeiterin hat er sogar eine Banane geschenkt bekommen.

 

Andere Leute haben minutenlang mit unserem Sohn gespielt, im Park, im Wartebereich vom Bahnhof oder im Hostel.

 

Gesundheit & Sicherheit

 

Japan ist generell ein sehr sicheres Land. Es gibt so gut wie keine Kriminalität und auch vor Erdbeben solltest du keine allzu große Angst haben. Erdbeben kommen zwar schon oft vor, meistens sind sie aber so schwach, dass du sie kaum bemerken wirst.

 

Vom japanischen Gesundheitssystem mussten wir zum Glück keinen Gebrauch machen. Es scheint jedoch vergleichbar mit europäischen Standards zu sein. Immerhin haben die Japaner auch eine der höchsten Lebenserwartungen der Welt.

 

Ein paar Unterschiede zum deutschen System gibt es allerdings dennoch. In Japan gibt es hauptsächlich Allgemeinärzte, die keine weitere Facharztausbildung haben und in Krankenhäusern arbeiten. Da die Krankenhäuser dementsprechend auch für Kleinigkeiten aufgesucht werden, sind diese vor allem in den Großstädten oft überfüllt. Es scheint nicht so selten zu sein, dass Leute mit schweren Krankheiten in mehreren Krankenhäusern abgelehnt worden sind.

 

Weitere Reiseimpfungen zusätzlich zu den Standardimpfungen brauchst du für deine Reise nach Japan wahrscheinlich nur bei besonderer Reiseart oder besonderer Exposition.

 

Fazit

 

Japan lässt sich sehr gut auch mit kleineren Kindern bereisen. Die Sicherheit des Landes lässt sich mit der in Europa gut vergleichen. Das Menschen sind sehr kinderfreundlich und kleinen Kindern gegenüber auf jeden Fall aufgeschlossener als Erwachsenen. Einen Spielplatz wirst du an jeder Ecke finden können, und für etwas größere Kinder gibt es eine Menge Attraktionen direkt in der Stadt.

 

Warst du auch schon mit Kleinkind in Japan? Wie hast du die Kinderfreundlichkeit in Japan erlebt? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Christin

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