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Wien mit Baby – Flanieren zwischen Parks, Prunk und Prater

Ich habe festgestellt, wie gut es mir tut, hin und wieder kleine Kurztrips zu machen. Ein paar Tage woanders sein, nicht mit dem Körper und auch nicht mit den Gedanken im Alltag festzuhängen. Das brauche ich im Moment. Eine Mini-Auszeit für mich, ohne den Trubel mit zwei Kindern zuhause.

Spontan bin ich mit meiner Tochter losgezogen, ein paar Tage nur wir zwei zusammen. Am Sonntag gebucht, am Dienstag ging es los.

Erschreckenderweise war ich noch nie zuvor in Österreich, von einer kurzen Durchfahrt auf dem Weg in die Schweiz einmal abgesehen. Es wurde also endlich einmal Zeit für mich, Wien zu entdecken.

Die WG, in der wir über AirBnb ein Zimmer gemietet haben, liegt im 5. Bezirk Margarethen. Das mit den Zahlen ist zunächst einmal verwirrend. Aber irgendwie auch praktisch. Da an jedem Straßenschild auch die Bezirksnummer vermerkt ist, weiß man immer sofort, ob man sich verlaufen hat oder nicht. Wenn ich auf einmal im 10. Bezirk lande, bin ich wohl nicht mehr auf dem Weg Richtung Innenstadt (logischerweise der 1. Bezirk). Es hat ein bisschen was von Topfschlagen mit „Heiß!“ oder „Kalt!“-Rufen.

Wenn ich in einer neuen Stadt bin, versuche ich zumindest die ersten Tage so gut wie es geht auf öffentliche Verkehrsmittel zu verzichten um einen guten Eindruck und Überblick über die Stadt zu bekommen. Ich möchte nicht einfach nur aus der U-Bahn-Station fallen und so eine Sehenswürdigkeit nach der anderen abklappern, sondern ich mag es einfach, die Stadt zu Fuß zu erkunden. So auch in Wien.

 

Prachtgebäude, Parks und Prada – der 1. Bezirk Innere Stadt

Den waren Charakter einer Stadt erkennt man, wenn man diese zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkundet. In meinen Augen zeigt das, wie die Stadt mit ihren Bewohnern umgeht, wie sehr sie diese schätzt. Denn es sind ja vor allem die Einwohner, die zu Fuß oder per Rad unterwegs sind, die Erholung in Parks suchen oder die in der Fußgängerzone ihre Besorgungen erledigen.

Beim Erreichen der Innenstadt merke ich sofort: Wien hat es mir angetan. Wien verwöhnt Fußgänger. Ich stehe ja sehr auf Parks, und die gibt es in der Wiener Innenstadt zuhauf. Pracht und Erholung gelingen hier Hand in Hand. In den Parks stehen prunkvolle, historische Gebäude wie die Neue Burg im Burggarten. Den halben Tag verbringe ich nur im Burggarten, auf dem Heldenplatz und im Volksgarten, die alle nebeneinander liegen. Egal wo ich stehe oder sitze, ich sehe überall weitere prächtige Gebäude hinter den Bäumen in die Höhe ragen. Besonders chic ist der Volksgarten mit seinen angelegten Blumenbeeten und Rosenbüschen. Wir saßen in der Sonne, genossen die fröhlich-klassische Musik von zwei Akkordeonspielern und hatten den Geruch des angrenzenden Rosengartens in der Nase. Ich habe mich noch nie so edel beim Entspannen gefühlt wie in Wien. 

Vom Volksgarten aus gelangt man ohne Umschweife in die Fußgängerzone, wenn man über den ebenso pompösen Michaelerplatz mit der Hofburg geht.

Hier beginnt das „Goldene U“. Die Prachtstraßen Kohlmarkt, Graben und Kärntner Straße, die auf dem Stadtplan ein umgedrehtes U ergeben, beherbergen die Geschäfte, in denen ein lächerliches Paar Pumps mehr kostet als mein gesamter Aufenthalt in Wien und eine hässliche Krokodilledertasche mehr als unsere Reise nach Japan. Nicht mein Ding. Meiner Tochter gefällt es offenkundig auch nicht, denn sie brüllt verzweifelt. Alles was ich gehetzterweise von der Fußgängerzone mitbekomme, ist: Es gibt keinen gescheiten Ort zum Stillen!

Nachdem wir uns zum Stillen in ein schlechtes Café (das einzige mit einem freien Platz) gesetzt haben, stehe ich schließlich direkt vorm Stephansdom. Mit Babytrage am Bauch entscheide ich mich gegen den 343 Stufen umfassenden Aufstieg im Südturm, auch wenn der Ausblick von dort bestimmt toll ist. Insgesamt finde ich die hektische, völlig übertünchte Fußgängerzone eher enttäuschend, vor allem, nachdem ich so tiefenentspannt aus den Parks gekommen bin. Erst zurück in Hannover habe ich festgestellt, dass ich die vom Reiseführer höchstgelobte Kärntner Straße komplett versäumt habe, aber ich bin mir sicher, dass ich dort nichts verpasst habe.

Das Kunsthistorische Museum am Maria-Theresien-Platz

Das Kunsthistorische Museum am Maria-Theresien-Platz

 

Der Burggarten Wien

Der Burggarten

 

Die Neue Burg im Burggarten Wien

Die Neue Burg im Burggarten

 

Der Volksgarten mit dem Rathausturm im Hintergrund

Der Volksgarten mit dem Rathausturm im Hintergrund

 

Das Wiener Rathaus

Das Wiener Rathaus

 

Prater mit Baby – der 2. Bezirk Leopoldau

Obligatorisch in Wien ist natürlich ein Besuch im Prater. Das Riesenrad – wie viele romantische Bilder hatte ich schon davon gesehen. Inmitten von grün im Park ein liebliches altes Riesenrad, von dem aus man einen atemberaubenden Blick über die ganze Innenstadt hat. Das ist zumindest meine Vorstellung. Zunächst muss ich feststellen: Der Prater ist gar nicht in der Innenstadt. Zwar auch nicht wahnsinnig weit außerhalb, aber trotzdem nicht in der Innenstadt. Vom Schwedenplatz laufe ich etwa eine Dreiviertelstunde.

Kaum angekommen, zerfällt meine romantische Vorstellung immer weiter. Zwar umfasst das Areal des Praters auch einen weitläufigen Park, aber der eigentliche Teil, auf dem auch das Riesenrad steht, ist ein riesiges, permanentes Volksfest. Wildwasserbahnen, Geisterschlösser, Über-Kopf-Schleuder-Fahrgeschäfte, … Sogar ein Madame Tussauds befindet sich auf dem Gelände.

Das Riesenrad steht zum Glück gleich am Eingang der riesigen Festwiese. Gleich am Eingang zum Prater habe ich gesehen, dass es ein Kombiticket für das Riesenrad und den Bimmelzug, der quer über das Gelände fährt, gibt, und kaufe mir dieses. Meine Tochter hat gerade sehr gute Laune, also nutze ich die Chance um mit ihr die Fahrt mit dem Riesenrad anzutreten. Da ich bereits mein Ticket habe, muss ich beim Riesenrad nicht mehr an der langen Ticketschlange anstehen und kann direkt durchgehen – in den inneren Wartebereich, der von außen nicht ersichtlich ist. Als wir diesen Wartebereich endlich passieren, kommen wir in einen weiteren, äußeren Wartebereich. Meine Tochter wird immer ungeduldiger. Ihre schlechte Laune nimmt schließlich, nach einer halben Stunde Anstehen, ihren Höhepunkt direkt in dem Moment, als wir endlich unsere Gondel betreten. Ich nehme sie aus der Trage und setze mich mit ihr auf die Bank in der Mitte der Gondel, sie will sofort gestillt werden. Während sie nuckelnd einschläft und die Gondel langsam höher steigt, stellen sich immer wieder andere Fahrgäste vor uns. Nachdem ich das dritte Mal jemandem gesagt habe, dass er mir genau im Blickfeld steht, ist meine Laune in etwa auf dem Stand derer meiner Tochter kurz zuvor. In der Ferne, zwischen den Armen und Köpfen der Leute, kann ich Dächer der Hochhäusern erahnen und höre immer wieder: „Oh, was ist denn das da hinten für ein schönes Haus!“ Ich drehe mich zu der unspektakulären Seite, um überhaupt irgendetwas zu sehen.

Völlig genervt steige ich also wieder aus dem Riesenrad. Meine Tochter schläft erstaunlicherweise auf meinem Arm weiter (das hat sie bisher dreimal in ihrem Leben getan!). Babys haben die erstaunliche Eigenart, dass sie besonders dann tief schlafen können, wenn es laut und wuselig um sie herum ist. Sie nehmen sich quasi selbst aus dem Geschehen, es ist ihnen einfach zu viel. Ein Selbstschutz. Auch ich würde gerne auf der Stelle einschlafen. Der Krach, der von all den Fahrgeschäften dröhnt, die Schreie der Menschen in den Achterbahnen, das Blitzen und Blinken. Ich torkel wie benommen über den Platz des Riesenrades (ja, der heißt wirklich so!) und sehe zu meiner Erleichterung die Bimmelbahn stehen, für die mein Kombiticket gültig ist. Ich lasse mich also auf eine Bimmelbahnbank plumpsen, meine Tochter schläft genüsslich weiter in meinem Arm. Die Bahn ruckelt los und tuckert quer über den Prater, vorbei an dem vielen Gekreische und Geleuchte. Nein, das ist alles nichts für mich, und die einzigen beiden babytauglichen Aktivitäten auf dem Volksfestgelände habe ich ja gerade gemacht. Pünktlich, als wir die Festmeile verlassen und in den grünen Park abbiegen, wird meine Tochter wieder wach. Erstaunlich, dieser Babyschlaf. Meine Tochter hat wirklich abgeschaltet um dem Prater zu entkommen.

Ich hätte gerne noch ein Anti-Foto vom Riesenrad gemacht. Von der anderen Seite, nicht mit den Bäumen im Vordergrund, sondern mit dem Breakdancer, dem Hiphoper oder wie die ganzen Dinger heißen. Um zu zeigen, dass das Riesenrad nicht nur romantisch ist, sondern vor allem auch stressig. Aber ich möchte es meiner Tochter nicht noch einmal antun vom Park zurück in den Prater zu gehen, wo sie mir doch überdeutlich gezeigt hat, was sie davon hält.

Zurück gehen wir entlang der nördlichen Promenade des Donaukanals. Zwischen der Schwedenbrücke und der Marien Brücke befindet sich eine lauschige Strandbar mit Liegestühlen. Der Tag ist also doch noch gerettet!

Riesenrad am Wiener Prater

Das Wiener Riesenrad – sooo romantisch!!

 

MEINE Aussicht aus dem Riesenrad

Meine phänomenale Aussicht aus dem Riesenrad

 

Der Donaukanal in Wien

Der Donaukanal in Wien

 

Naschmarkt & Mariahilfer Straße – der 6. Bezirk Mariahilf

Etwa eine halbe Stunde gemütliches Laufen von meiner Unterkunft entfernt befindet sich der Naschmarkt. Ich hätte ihn beinahe übersehen, so unscheinbar liegt er zwischen zwei großen Straßen. Oder, besser gesagt, zwischen den zwei Fahrtrichtungen der gleichen Straße. Inmitten der Fläche zwischen rechter Wienzeile und linker Wienzeile reihen sich auf über 500 m Marktstände, Süßwarenläden und Restaurants aneinander. Leider war ich nur zur falschen Zeit am richtigen Ort, denn immer, wenn ich dort war, hatten nur die Restaurants sowie ein paar vereinzelte Stände offen.

Im Norden des Bezirks befindet sich die Mariahilfer Straße, eine etwa 1,7 km lange Fußgängerzone, die vom Westbahnhof bis zum Museumsquartier führt. Hier finden sich die üblichen Fußgängerzonengeschäfte, trotzdem versprüht die Straße einen eigenen Flair. Hier gibt es keine Taschen aus Schlangenhaut zu kaufen, sondern vegetarische Brötchen und veganes Eis. Hier gefällt es mir sehr viel besser als in der Fußgängerzone am goldenen U.

 

Fazit

Ich habe mich sofort wohl in Wien gefühlt. Die Fußgängerzone in der Innenstadt und den Prater empfand ich mit Baby als zu hektisch. Meine Tochter hat sich sichtlich an beiden Orten unwohl gefühlt. Alle anderen Bereiche in Wien sind allerdings ein Traum, auch mit Baby! Das tägliche Schlendern über die Mariahilfer Straße, die Entspannung in den vielen Parks rund um die Innenstadt und die Gemütlichkeit der Strandbars waren ganz wunderbar und haben mir und meiner Tochter gutgetan. Wien hat mich entspannt und einen inneren Reset-Button gedrückt.

Ich habe während meines Aufenthalts in Wien übrigens wieder mal (wie schon letztes Jahr in Hiroshima und in Madrid) festgestellt, dass mich die meisten historischen Museen, Kirchen etc. einfach nicht interessieren. Ich schlendere lieber durch die Stadt und lasse ich treiben. Dieses Mal habe ich aber nicht den Fehler gemacht zu denken ich müsste mir ja nun diese Ausstellung angucken oder mich für Sissi interessieren. Ich tue es einfach nicht und mache die Tage nur Dinge, auf die ich wirklich Lust habe.

Zum Glück sind Menschen ja unterschiedlich. Ganz anders als ich hat Stefanie ihre Interessen bei ihrem Wien-Besuch mit ihrer Familie gelegt. Bei ihr erfahrt ihr viel Wissenswertes zu allen Schlössern, Museen, Kaisern, denen ich auf meinem Weg kaum Beachtung geschenkt habe.

Wien mit Baby – Flanieren zwischen Parks, Prunk und Prater

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Warst du schon einmal mit Baby oder größeren Kindern in Wien? Was waren eure Highlight in Wien? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Christin

 

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